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28. Aussterbende Arten


28. Aussterbende Arten

Hollings Onkel Charlie ist im Alter von 110 Jahren "von der Bühne abgetreten". Der Tod des Mannes stürzt Holling in eine schlimme Midlife-Crisis, er hat Angst vorm Sterben und empfindet sein Leben als verpfuscht. Über Nacht hat er sich mit sämtlichen Kartoffelvorräten des Brick in einer Hütte in den Wäldern verkrochen, um Schnaps zu brennen. Holling schüttet den 60%igen Wodka literweise in sich hinein. Chris und Joel spüren ihn in der "Destille" auf. Während sich Chris aus Solidarität mit ihm betrinkt, zieht Holling Joel mit in die Depression. Joel hat die Telefonbücher nach jüdischen Namen durchblättert und festgestellt, daß er der einzige Jude im gesamten Bezirk "Arrowhead County" ist. Er fühlt sich isoliert und "allein wie ein Stein". Er greift auch zur Flasche, und als er sich am nächsten Morgen verkatert in die Praxis schleppt, serviert ihm Marilyn ein Gebräu aus Hundehaaren. Für ein Filmprojekt besucht Ed den Flötenschnitzer Ira Wingfeather. Er filmt den Indianer bei (s)einer "aussterbenden Kunst". Ira ist nämlich der einzige Mensch, der noch diese aufwendigen Entenflöten herstellen kann. Ed will sich nicht damit abfinden, daß "Dinge aussterben" und läßt sich in die Entenflötenschnitzerei einführen. Shelly findet einen sehr anschaulichen Weg, um Holling zu beweisen, daß sein Leben durchaus seine Höhepunkte hatte...


3.13 Things Become Extinct Originaltitel
Deutsche TV-Premiere: 07.04.1993 (RTL)
TV-Premiere: 20.01.1992 (CBS)


 

Robin Green  Drehbuch nach einer Geschichte von Mitchell Burgess
Dean Parisot  Regie

Northern Disclosure (Podcast)

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In dieser Podcastfolge begrüßen Rob und Janine den Regisseur Dean Parisot, der "Aussterbende Arten" inszeniert hat - eine dieser Episoden, die mit leiser Melancholie, Skurrilität und unerwartet tiefen Momenten arbeitet. Schon früh im Gespräch lachen alle drei darüber, wie intensiv Hollings Krise gedreht wurde. Dean erinnert sich: "John Cullum war in diesen Szenen unglaublich. Er konnte in einer Sekunde philosophisch sein - und in der nächsten völlig betrunken wirken, ohne auch nur einen Tropfen angerührt zu haben." Besonders amüsant wird es, als Rob von den Dreharbeiten in Hollings improvisierter Brennhütte erzählt - oder wie Holling sie im Drehbuch tatsächlich nennt: "die Destille"...
Rob grinst: "Diese Destille… die sah warm aus, aber das war sie nicht. John und ich haben uns an den Lampen gewärmt." Janine lacht: "Ihr habt beide diesen Blick - halb betrunken, halb erfroren." Dean erinnert sich: "Ich wollte, dass die Szene sich anfühlt wie zwei Männer, die nicht nur frieren - sondern emotional völlig aufgetaut werden." Nach und nach kippt die Stimmung dort bekanntermaßen ins Philosophische - zumal Chris sich sofort solidarisch betrinkt und Joel, ohnehin angeschlagen, von Holling mit in den Abgrund hineingezogen wird. Im Podcast gesteht Rob: "Ich wusste, dass Joel am Ende betrunken sein musste… aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass es sich so echt anfühlt, bei minus sechs Grad zu spielen." Janine wirft ein: "Ich liebe die Szene, in der Marilyn Joel am nächsten Morgen ihren berühmten 'Hundehaar-Trank' serviert. Ihr Blick sagt: 'Das hast du dir selbst eingebrockt, Fleischman.'"

Ein großer Teil der Podcastfolge widmet sich jedoch Ed und seiner Begegnung mit dem Flötenschnitzer Ira Wingfeather. Dean erzählt, dass die Idee zu dieser Geschichte aus einem einzigen Satz kam: "Was, wenn Ed buchstäblich versucht, etwas vor dem Aussterben zu retten?" Er und Rob schwärmen von der Ruhe des Darstellers George Aguilar. Dean sagt: "Er brauchte kaum Text. Seine Hände erzählten alles." Rob ergänzt: "Die Entenflöten haben tatsächlich funktioniert – und zwar besser als wir erwartet hatten." Janine: "Ed lernt da eigentlich, dass Dinge verschwinden dürfen… aber auch, dass man sie ehren kann, bevor sie gehen."

Natürlich wird auch Joels mini-existenzielle Krise angesprochen - der Moment, in dem er im Telefonbuch feststellt, dass er im ganzen County der einzige Jude ist. Dean sagt lachend: "Wir wollten Joel nicht als Märtyrer zeigen, sondern als jemand, der sich selbst ein bisschen zu wichtig nimmt." Rob nickt: "Das war Joel in Reinform: 'Ich bin allein wie ein Stein… und niemand kann das nachvollziehen!' - obwohl natürlich alle in Cicely genau wissen, wie sich Einsamkeit anfühlt."

Ein kleines Highlight des Podcasts ist die Erinnerung an Shellys Szene, in der sie Holling beweist, dass sein Leben definitiv nicht "verpfuscht" war. Janine erzählt: "Cynthia hat das so liebevoll gespielt. Sie war wie eine Sonne, die Holling auftaut."
Am Ende des Gesprächs fassen die drei Stars wunderbar zusammen, was die Episode ausmacht. 
Dean Parisot: "Diese Folge sagt: Dinge gehen verloren… Menschen auch. Aber manchmal reicht es, wenn man sie einen Moment lang bewahrt."
Rob: "Und manchmal braucht es dafür eine Destille."
Janine lacht: "Oder eine Entenflöte."

 

Musiktitel

I Love You a Thousand Ways - Tim and Mollie O'Brian
Tea Dance
Memories of You - Bennie Goodman
Someone Took My Place With You - David Parmley
Family Traditions - Hank Williams, Jr.
Sleepy Steel
Acapulco Serenata


Zitate

Joel (nach seinem Besuch in Hollings Destille zurück in seiner Praxis zu Marilyn: "Oh, oh! --- Sagen Sie nichts, machen Sie nicht mal ein Geräusch!
Mein Kopf ist aus Glas, meine Augenlider tun weh. Ich habe ‘en Filzteppich auf der Zunge. Ich werd‘ mir was Heißes besorgen und in meinen Magen füllen. Ich bin gleich wieder da. - Hat Misses Tatsanotinova einen neuen Termin?"
Marilyn: "Dienstag."
Joel: "Danke! - Was ist das?"
Marilyn: "Gegen den Kater."
Joel: "Eine gute Idee, sehr aufmerksam Marilyn. Danke! Was ist das? Was ist da drin?"
Marilyn: "Hundehaare."
Joel: "Hundehaare?"




Shelly: "Haferflocken."
Joel: "Danke. - Shelly?"
Shelly: "Ja, Dr. Fleischman?"
Joel: "Können sie es wieder wegnehmen? Ich kann‘s nicht ansehen. Ich brauche etwas Warmes und Beruhigendes, aber nicht so aggressiv Beruhigendes."
Shelly: "Reis?"
Joel: "Zu hell!"




Chris: "'In der Mitte der Reise durch unser Leben, kam ich inmitten eines dunklen Waldes abseits vom rechten Wege zu mir. Oh, wie schwer es mir fällt von diesem Wald zu erzählen, so wild und rauh und dicht. Der Gedanke dran bringt meine Furcht zurück. So bitter ist er, dass der Tod kaum schlimmer ist.'
Das hat Dante geschrieben über seine eigene Midlife-Crisis. Das war im 14. Jahrhundert. 600 Jahre sind vergangen und wir stecken immer noch drin. Es geschieht an diesem Wendepunkt in unserem persönlichen Kontinuum. Wenn unser zartes Leben an einem seidenen Faden hängt. Wir blicken zurück, um zu sehen wie weit wir gekommen sind. Uns wird klar, dass unsere Vergangenheit nicht ein einsamer Pfad durch verschwiegene Wälder ist, sonder eine Vista. So weit und umfassend wie der Ozean in dem sich unsere Erfahrungen bis zum Horizont ausdehnen wie winzige verstreute Segelboote, aufgesogen von der gewaltigen See.

"Nel mezzo del cammin di nostra vita
mi ritrovai per una selva oscura,
ché la diritta via era smarrita."
[Göttliche Komödie, Die Hölle]

Einen Toast auf die gute alte Zeit! Auf meine eigene Midlife-Crisis mit 22! Mein verlorenes Jahr. Auf Ausschweifung, Vergesslichkeit, Versagen und Blindheit. Auf mancherlei Weise war es das beste Jahr meines Lebens."







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