Maggies überkandidelte Mutter Jane trifft mit einer schwer verdaulichen Nachricht aus Michigan ein. Verstört erfährt Maggie, daß sich ihre Eltern scheiden lassen werden. Noch dazu kommt, daß ihre Mutter ein äußerst untypisches Verhalten an den Tag legt. Maggies Weltbild gerät ins Wanken und während sie sich im Brick ausheult, verursacht Jane einen verheerenden Brand. Maggies Haus brennt vollständig nieder. All ihre Habseligkeiten (Ricks Schrein inbegriffen) liegen in Schutt und Asche. Maggie ist obdachlos und untröstlich. Der Kaminkehrer Bob kommt Joel irgendwie bekannt vor; - als er im "Golf Digest" blättert, fällt es ihm wieder ein: Bob ist Larry Coe, ein gescheiterter Profi-Golfspieler, der in Alaska unerkannt untergetaucht ist. Während Joel seine Entdeckung euphorisch im ganzen Ort kolportiert, ergreift Larry die Flucht. Er will nach Grönland auswandern, doch vorher wird sich Joel Larrys Handikap annehmen. Cicely wartet gespannt auf Chris' neustes Spektakel. Er will eine Kuh katapultieren, doch als er herausbekommt, daß bereits Monty Phyton ("Ritter der Kokosnuß") diese Idee aufgegriffen hat, schwindet seine kreative Ekstase schlagartig. Wiederholung ist der Tod der Kunst. Aber Picassos Erbe rüttelt ihn wach und er findet einen Ausweg aus der Schaffenskrise, denn "jeder Schöpfung geht ein Akt der Zerstörung voraus". Ein Kondensstreifen aus Tasten über Cicelys Himmel gibt (nicht nur) Maggie neuen Mut...
3.14 Burning Down The House Originaltitel
Deutsche TV-Premiere: 14.04.1993 (RTL)
TV-Premiere: 03.02.1992 (CBS)
Robin Green Drehbuch nach einer Geschichte von Mitchell Burgess
Dean Parisot Regie
Northern Disclosure (Podcast)
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In dieser tiefgründigen und doch amüsanten Podcastfolge begrüßen die Darsteller Rob Morrow (Joel) und Janine Turner (Maggie) ihre Kollegin Cynthia Geary (Shelly) – und stürzen sich direkt auf eine der meistdiskutierten Episoden der Serie: "Obdachlos" ("Burning Down the House"). Die Folge, die Maggies Haus in Schutt und Asche legt, wird von den SprecherInnen als zentraler Wendepunkt für Maggie O’Connell gefeiert.
Janine Turner betont, dass dies eine ihrer wichtigsten Episoden war, da Maggie gezwungen ist, ihre Mauern einzureißen. Die Schauspielerin beschreibt den doppelten Brand in Maggies Leben. Zuerst zerstört die Nachricht von der Scheidung ihrer Eltern ihr idealisiertes Familienbild. Dann brennt ihr Haus lichterloh ab – ausgelöst durch ein versehentlich vergessenes Handtuch von Mutter Jane. Janine nennt es eine Katharsis: "Nicht nur Maggies Haus, sondern ihre gesamte Wahrnehmung ihrer Eltern und ihrer Familie brennt nieder."
Alle drei loben die Leistung von Bibi Besch (Jane O’Connell). Janine erinnert sich an eine Schlüsselszene, in der Maggie ihrer Mutter im Zorn sagt: "Ich wünschte, ich hätte das Haus niedergebrannt!". Ihre Mutter entgegnet darauf, dass Maggie ihr Leben "verbrennen" müsse, um etwas Neues zu beginnen. Maggies trotzige Reaktion ist dabei Janines Lieblingszeile: "Mom, ich lebe in Alaska, ich bin Pilotin!". Der Bogen schließt sich mit einem Akt der Akzeptanz: Am Ende akzeptiert Maggie die Fehler ihrer Mutter – ein Moment, der Maggies eigene Reifung symbolisiert.
Janine erinnert sich an die Dreharbeiten der Brandstätte: "Es war sehr spät in der Nacht, sehr kalt, sehr dunkel und die Feuerwehrmänner waren überall." Sie und Rob diskutieren, dass kein echtes Haus, sondern eine ausgebrannte Fassade gebaut wurde, die das Team lobend Woody Crocker zuschreibt. Als Maggie später durch die Ruinen wandert, findet sie ihren "geschmolzenen Diarama-Blob", den Chris Stevens als Kunstobjekt beanspruchen will. Die Szene, in der Maggie durch die Asche watet, sei "eiskalt" gewesen.
Das unbestrittene Highlight der Episode ist Chris Stevens’ großangelegtes Kunstprojekt – der Abschuss von Maggies Klavier mittels Katapult. Rob Morrow schwärmt: "Diese Szene ist ikonisch! Es gab T-Shirts dazu: 'It's not what you fling, it's the fling itself' (Es ist nicht, was du schleuderst, sondern das Schleudern selbst)." Chris findet Erlösung in Picassos Philosophie, dass jedem kreativen Akt ein Akt der Zerstörung vorausgeht. Cynthia Geary verrät ein technisches Detail: Die Konstruktion war technisch gesehen ein Trebuchet. Die Mechanik verlieh dem Klavier eine so immense Wucht, dass es "in der Luft begann, sich aufzulösen, bevor es den Boden traf!" Das riesige Katapult wurde übrigens von einem Londoner Python-Experten in nur zehn Tagen entworfen und nach Drehschluss für lange Zeit in einem Feld in Roslyn stehen gelassen.
Die DarstellerInnen erinnern sich lachend an die Dreharbeiten. Regisseur Rob Thompson inszenierte die Aktion mit vier Kameras und unterlegte die Szene mit der Musik aus "2001: Odyssee im Weltraum". Für ihre Nahaufnahmen mussten die Schauspieler improvisieren: "Als die Kameras auf unsere Gesichter gerichtet waren, starrten wir auf einen langen Stock mit einem Tennisball... Wir mussten uns einfach vorstellen, dass dort gerade ein Klavier durch die Luft fliegt und auseinanderbricht", verrät Janine. Rob Morrow ergänzt, dass es dennoch nicht schwer war, die Reaktionen zu spielen: "Es war nicht gefälscht. Wir waren als Menschen genauso bewegt wie unsere Figuren. Verdammt, da flog ein Klavier durch die Luft!"
Rob weist auf die Bedeutung der Kostüme hin. Maggie trägt das "frilly shirt" (rüschenhafte Bluse) in Anwesenheit ihrer Mutter, da sie sich "wie ein Kind für ihre Mutter anzieht und ihre Akzeptanz sucht". Dies führt zu einer amüsanten Anekdote über Product Placement: Die Schauspieler erhielten oft Geschenke der Marken, die im Drehbuch erwähnt wurden. Cynthia bekam Swatch-Uhren, Rob bekam Golfschläger, nachdem Joel sie erwähnte. Janine beschwert sich lachend: "Ich habe Ferragamo-Schuhe erwähnt – aber ich habe nie welche bekommen!"
Im Podcast wird auch kurz der dritte Handlungsstrang diskutiert, in dem es um den Schornsteinfeger Bob geht, der sich als der gescheiterte Profi-Golfer Larry Coe entpuppt. Auch hier sieht Cynthia Geary eine thematische Verbindung: Larry Coe hat sein altes Leben ebenfalls "niedergebrannt" und neu angefangen. Während Joel Fleishman versucht, ihn zurück in seine alte Identität zu drängen, will Larry als Schornsteinfeger nach Grönland auswandern. Janine Turner merkt an, dass Joels Absicht nicht pure Neugier war, sondern der Wunsch, Larry Coe zu helfen, loszulassen und einen Abschluss zu finden.
Zum Schluss fassen die Darsteller das zentrale Thema zusammen: Der Brand und das Katapult-Spektakel waren Maggies und Chris' Schicksalsschläge, die beide zwangen, neu anzufangen. Rob Morrow bringt es auf den Punkt: "Die Lektion dieser Folge ist, dass dieser Akt der Zerstörung das Potenzial für Kreativität schafft – für Wachstum, das aus der Asche entsteht."
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Musiktitel
The Prisoner's Song - Vernon Dalhart
Whispering - Paul Whiteman
Fell in Love - Tim O'Brien
Roses and Midnight
Sweetest Things - Carlene Carter
A Little Unfair - Brenda Lee
Where Would That Leave Me?
The Blue Danube (J. Strauss)
Zitate
Chris‘ Rede am Katapult: "Willkommen alle miteinander! Willkommen und danke, dass ihr gekommen seid. Ihr wißt sicher, dass ich schon ein paar Tage hier draußen bin und mich herumtaste bei dem Versuch ‘ne Vision zu realisieren. Ich hatte mich dermaßen auf meine Vision konzentriert, dass ich nichts mehr gesehen habe. Schließlich habe ich ‘rausgefunden, dass es nicht die Vision ist; - um die Vision geht‘s überhaupt nicht. Es geht ums Tasten, es geht ums Tasten, die Sehnsucht... Vorwärtsstreben. Ich war so fixiert auf die fliegende Kuh, dass ich, als Ed mir erzählt hat, dass Monty Python mir zuvor gekommen ist, dachte, das wäre das Ende. Ich mußte von der Kuh ablassen um andere Möglichkeiten warhnehmen zu können.
Jedenfalls möchte ich dir danken, Maurice, dass du mich von der Kuh gelöst hast. Danke Maurice, dass du meinem Dionysos der Apollon warst in der kartesischen [nach Descartes] Dialektik der Kunst. Und ich danke auch dir, Ed, denn die Wahrheit wird uns befreien. Und Maggie, danke, dass du mich an der Zerstörung deines Hauses hast teilhaben lassen, auf dass wir heute was zum Schleudern haben.
Ich glaube, Kierkegaard hat es einmal sehr schön gesagt: 'Das Selbst ist nur das was es in dem Prozeß des Werdens ist. Kunst das selbe.' James Joyce hatte dazu auch was zu sagen: 'Willkommen, oh Leben, ich ziehe los um der Realität der Erfahrung zum millionsten Male zu begegnen und um in der Schmiede meiner Seele das Bewusstsein meiner Rasse zu schmieden.'
Wir sind heute hier um etwas zu schleudern, das aus dem kollektiven Unbewussten unserer Gemeinschaft hervorgesprudelt ist. Ed, bist du soweit? Was ich gelernt habe, Leute, ist der ultimative Schlüssel. Es geht nicht darum was man schleudert, sondern ums Schleudern selbst. Schleudern wir etwas, Cicely!"
Chris: "I‘ve been here now for some days, groping my way along, trying to realize my vision here. I started concentrating so hard on my vision that I lost sight. I‘ve come to find out that it‘s not the vision, it‘s not the vision at all. It‘s the groping. It‘s the groping, it‘s the yearning, it‘s the moving forward.
I was so fixated on that flying cow that when Ed told me Monty Python already painted that picture, I thought I was through. I had to let go of that cow so I could see all the other possibilities. Anyway, I want to thank Maurice for helping me to let go of that cow. Thank you Maurice for playing Apollo to my Dionysus in art‘s Cartesian dialectic. And thanks to you, Ed, cause the truth shall set us free! And Maggie, thank you for sharing in the destruction of your house so that today we could have something to fling.
I think Kierkegaard said it oh so well, ‘The self is only that which it‘s in the process of becoming.‘ Art? Same thing. James Joyce had something to say about it too. ‘Welcome, Oh Life! I go to encounter for the millionth time the reality of experience, and to forge in the smythe of my soul the uncreated conscious of my race.‘
We‘re here today to fling something that bubbled up from the collective unconsciousness of our community. Ed, you about ready? The thing I learned folks, this is absolutely key: It‘s not the thing you fling. It‘s the fling itself. Let‘s fling something, Cicely!"
Chris: "Jeder Schöpfung geht ein Akt der Zerstörung voraus."
Maurice: "Ja, genau."
Chris: "Jedenfalls hat Picasso das gesagt."
Maurice: "Na schön, wer auch immer."