Frühlingserwachen. Im Brick werden Eier in allen Variationen angeboten, Maurice ist extrem schlecht gelaunt und Chris hat Heuschnupfen. Joel behandelt leidenschaftslos Shellys langweilige Hauterkrankung. Doch die angebliche Kontaktdermatitis wird immer schlimmer. Über Nacht verwandelt sich Shelly in das "Sumpfding". Marilyn hat ihren Cousin Leonard Quinhagak eingeladen, bei Joel in der Praxis zu hospitieren. Leonard ist ein bekannter, erfahrener Medizinmann. Joel kann sich nicht erinnern, dem Praktikum zugestimmt zu haben. Arrogant und überheblich duldet er Leonard schließlich doch. Als Joel erfährt, daß der Heiler nach einem Gespräch mit Shelly ihren Hautausschlag als harmlose Häutung (und Stabilisierung ihrer Persönlichkeit) einschätzt, flippt er total aus. Tatsächlich erholt sich Shellys Haut aber erstaunlich rasch, so daß sich Joel bei Leonard indirekt entschuldigt. Maurice findet auf dem Dachboden Erinnerungen an seinen schottischen Großvater, was seine Stimmung etwas aufhellt. Maggie hadert mit ihrem Single-Dasein. Sie glaubt, "die erste Runde verpaßt" zu haben. Ein Bär streunt durch Cicely und wühlt in den Mülltonnen. Auch Maggie wird von dem Tier heimgesucht. Gleichzeitig läuft ihr der attraktive Naturbursche Arthur über den Weg...
3.19 Wake-Up Call Originaltitel
Deutsche TV-Premiere: 26.05.1993 (RTL)
TV-Premiere: 23.03.1992 (CBS)
Diane Frolov & Andrew Schneider Drehbuch
Nick Marck Regie
Northern Disclosure (Podcast)
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Eine besondere Folge des Podcasts, denn Rob Morrow fehlt heute – und Janine Turner moderiert zum ersten Mal solo. Doch sie ist nicht allein: Vier Gäste hat sie eingeladen, alle mit ganz eigenen Verbindungen zu Northern Exposure. Gemeinsam sprechen sie über die Episode "Der verliebte Bär" (Original-Titel: "Wake Up Call"), eine der mystischsten und schönsten der gesamten Serie. Geschrieben von Andrew Schneider und Diane Frolov ("den Meistern des Magischen") und inszeniert von Nick Marck, entfaltet die Folge ein wahres Frühlingserwachen - für jeden Bewohner Cicelys auf seine eigene Weise.
Kimberley A. Strassel, Mitglied des Wall Street Journal Editorial Boards, eröffnet die Runde mit einer hinreißenden persönlichen Geschichte: Sie zog nach Alaska - wegen "Ausgerechnet Alaska". "Die Serie lief, als ich im College war. Später arbeitete ich im Ausland, vermisste Amerika und wurde süchtig danach, 'Ausgerechnet Alaska' zu schauen. Alaska kam auf meine Bucket List. 2014 fuhr ich zum Angeln hin - das klappte nicht, aber ich traf einen Alaskaner. Ein paar Jahre später war ich verheiratet und lebte dort." Janine strahlt: "Alaska hat dir einen Mann gebracht!" Kimberley lacht: "Ich bin viel mehr Team Maggie. Sie nannte Joel mal einen 'Hilflosigkeits-Junkie' - das trifft es." Die beiden diskutieren, was Alaska wirklich ausmacht: "70 Prozent der Menschen dort sind hingezogen. Sie sind unabhängig, selbstbestimmt und glücklich, da zu sein - ganz im Gegensatz zu Joel." Janine erinnert sich an herrn Vater, einen Texaner durch und durch, der im Alter immer wieder allein mit dem Airstream den Alaska Highway fuhr. "Texas wurde von Alaska abgelöst. Das passiert, wenn es einen packt."
Victoria Bowman, Janines Cousine und Filmproduzentin, ist die nächste. 1992 war sie neun Jahre alt und durfte die Serie noch nicht sehen. "Sie galt als zu gewagt. Aber mein Mann, der zehn Jahre älter ist, erinnert sich, wie man sich im College montagabends zum gemeinsamen Schauen traf." Janine freut sich, dass die jüngere Generation die Serie heute für sich entdeckt: "Sie ist zeitlos." Gemeinsam schwärmen sie von der mystischen Atmosphäre der Folge - von Shellys Häutung, von Graham Greene als Schamane, der Joel eine Lektion in Empathie erteilt, und natürlich von Maggies tanzendem Bären. Besonders die Figur des Leonard Quinhagak wird als einer der stärksten Momente der Folge gewürdigt. Janine erinnert sich an seinen Satz zu Joel: "Du bist langweilig." Joel ist empört. Leonard bleibt gelassen. Später, als Joel endlich Wut zeigt, sagt Leonard: "Wenigstens ist das nicht langweilig." Kimberley lacht: "Joel bekommt hier eine echte Lektion in Menschlichkeit. Dabei ist er als Arzt doch eigentlich derjenige, der heilen soll." Janine ergänzt: "Und am Ende lernt er wirklich. Das ist mutig - so eine Figur über mehrere Folgen wachsen zu lassen."
Victoria schwärmt von Andreas Wisniewski, dem Darsteller des geheimnisvollen Fremden, der Maggie aus dem Schlamm zieht und später mit ihr im Kerzenschein tanzt. "Er war so unglaublich schön. Wie Fabio, aber mit Tiefe." Janine nickt: "Und er hatte etwas von Baryschnikow. Diese Ausstrahlung!" Kimberley bringt die tiefere Ebene ein: "In der Kultur der Alaskan Natives spielt Shape-Shifting eine Rolle. Die Idee, dass ein Mensch zum Tier wird und wieder zurück - das ist hier wunderbar eingewoben. Es bleibt in der Schwebe, ob Arthur wirklich der Bär ist, und genau diese Ambiguität macht die Folge so stark. Es gibt eine großartige Autorin in Alaska, Eowyn Ivey, die genau darüber schreibt." Janine erinnert sich an die Dreharbeiten zur Höhlenszene: "Es war zwei Uhr morgens. Frank Prinzi, unser Kameramann, hat ewig für dieses Licht gebraucht. Ich war müde und dachte nur: 'Kannst du nicht mehr Licht auf mein Gesicht werfen?' Am nächsten Tag war er ganz geknickt. Dabei hat er für diese Staffel den Emmy gewonnen! Und heute sehe ich: Es war wunderschön, dieses Licht." Sie lacht: "Aber die HD-Qualität heute - da entdeckt man auf einmal Dinge, die man nie sehen wollte. Habe ich da etwa einen Schnurrbart?"
Suzanne West, Janines Kindheitsfreundin aus Air-Force-Zeiten und CFO (kaufmännische Geschäftsführerin) in der Luftfahrtindustrie, ergänzt eine ganz andere Perspektive. Sie spricht über die Stärke der Frauenfigur Maggie: "Sie konnte wirklich alles. Sie war so unabhängig - und doch so verletzlich. Diese Balance hast du wunderbar gespielt, Janine." Die beiden erinnern sich an gemeinsame Strandtage mit den Beach Boys und wie Janine später alle Haare abschnitt, kurz bevor sie Maggie wurde. "Meine Mutter war entsetzt", lacht Janine. Suzanne beobachtet bei ihrem erneuten Anschauen der Folge etwas Besonderes: "Die Art, wie alle Handlungsstränge miteinander verwoben sind - Shelly mit den Eiern, Maurice auf dem Dach, Maggie und der Bär - das ist große Erzählkunst." Und Janine ergänzt: "Und all das unter dem Motto Frühling. Neuanfang. Jeder geht anders damit um, aber alle werden sanfter, weicher, offener."
Tony Williams, Senior Fellow der Bill of Rights Foundation (ein leitender Experte für US-Verfassungsrechte), schließt den Reigen mit einem Essay über Demokratie und Gemeinschaft. Er vergleicht Cicely mit "Tocquevilles Amerika" - einem Idealbild der frühen USA, in dem nicht der Staat, sondern eine starke, hilfsbereite Gemeinschaft von Bürgern die Probleme gemeinsam löst: "Diese Nachbarschaft, dieses Füreinander-Einstehen – das ist gelebte Zivilgesellschaft. Wenn der Schnee schmilzt, hilft man sich. Und niemand fragt nach der Partei." Janine ergänzt: "Genau das liebe ich. Wenn mein Traktor stecken bleibt, kommt der Nachbar. Kein Bär - aber ein guter Mensch." Sie sinniert über ihr eigenes Leben auf der Ranch, über die Einsamkeit, aber auch die Verbundenheit mit der Natur und den Nachbarn. "Manchmal wünschte ich mir einen starken Mann, der mir hilft. Aber dann denke ich an Maggie - und mach es selbst."
Ein kleines, feines Detail entdeckt Janine beim erneuten Anschauen der Folge: "Ganz am Ende, als Maggie Joel im Brick sieht, sagt sie: 'Hey, Joel.' Nicht Fleischman! Joel. Das war das erste Mal. Und keiner hat es kommentiert. Aber es ist so ein großer Moment." Janine scherzt zudem, dass sie sich beim Abschied ohne Rob kaum traut, sein legendäres "In your dreams, Fleischman!" ("Träumen Sie weiter, Fleischman!") zu sagen - sie schließt stattdessen mit einem sanften: "See you, Fleischman." ("Wir sehen uns, Fleischman.") Die Runde ist sich einig: "Der verliebte Bär" ist eine dieser Folgen, die "Ausgerechnet Alaska" unvergesslich machen. Sie ist mystisch, warm, komisch und tiefgründig zugleich. Und sie zeigt, warum die Serie auch 30 Jahre später noch neue Generationen findet - und Menschen sogar nach Alaska lockt. Janine blickt in die Runde und lächelt: "Rob fehlt heute. Aber ich glaube, wir haben es auch so ganz gut hinbekommen."
Musiktitel
Guitars and Cadillacs - Dwight Yoakam
Invention #8 (Bach)
Musette Madeline
Imperial Hotel
Music Hall Waltz
Bailero - Fredrica Von Staade
To Wish This - Tinita Tikaram
Coolin Medley - The Chieftans
Zitate
Chris zitiert Edna St. Vincent Millay: "Auf sprang ich vom Boden und begrüßte die Erde mit einem solchen Schrei, wie gewiss noch nie von einem Mann, der tot gewesen und wieder am Leben ist.
Um alle Bäume schlang ich meine Arme und küsste den Boden, wie von Sinnen.
Ich hob empor meine bebenden Hände und ich lachte und lachte dem Himmel entgegen."
Leonard (zu Joel): "Kleine Rollen gibt es nicht, nur kleine Schauspieler"
Leonard: "Sie sind gelangweilt, weil Sie langweilig sind."
Joel: "Ich bin was?"
Leonard: "Langweilig."
Joel: "Ich bin langweilig?"
Leonard: "Der langweiligste Mensch, dem ich je begegnet
bin."