Der Ruf der Wildnis erreicht Holling und Maurice als sie von Bill Planeys Tod erfahren. Bill war ein einsiedlerischer, zäher Trapper und Raufbold. Seine Freunde versprachen ihm 1964, daß sie ihn mitten im Nirgendwo der alaskanischen Wildnis beerdigen würden. "No-Name-Point" ist ein unzugänglicher Ort, an dem die "Drei Musketiere" einst jagten und gegen die Naturgewalten ums Überleben kämpften. Während Chris aus dem warmen Radiosender Parallelen zu Jack London zieht, machen sich Holling und Maurice auf, um ihr Versprechen einzulösen. Auf der Reise schwelgen die beiden in der Vergangenheit und reflektieren ihren Lebenswandel. Doch sie sind nicht jünger geworden: Holling zieht sich schon bald einen schmerzhaften Hexenschuß zu. Als sie Bills Hütte erreichen, werden sie bereits von der Witwe Solvang erwartet, die ihren Mann in den letzten drei Jahren gehörig gemästet hat. Bills Gewicht erschwert die Expedition zu "No-Name-Point" erheblich. Außerdem macht die nymphomane Solvang den beiden Männern eindeutige Offerten. Es warten 72 Kilometer eisige Wildnis auf Maurice und Holling. 72 Kilometer über Bergspitzen und Täler, Gletscher und Schiefer, durch Matsch, Schlamm und schneebedeckte Wälder. Tapfer trotzen sie all den Widrigkeiten, bis sie Leiche einen Abhang herabrutscht. Noch dazu sind ihre Vorräte aufgebraucht und Bills Verwesung schreitet rapide voran. Etliche Tage von "No-Name-Point" entfernt, ist Maurice' und Hollings Moral gebrochen. Sie beschließen, Bill an Ort und Stelle zu begraben...
3.15 The Three Amigos Originaltitel
Deutsche TV-Premiere: 21.04.1993 (RTL)
TV-Premiere: 02.03.1992 (CBS)
Mitchell Burgess & Robin Green Drehbuch
Matthew Nodella Regie
Northern Disclosure (Podcast)
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In dieser Ausgabe ihres Podcasts "Northern Disclosure" tauchen die Schauspieler Rob Morrow und Janine Turner ein in die eisigen Weiten und hinter die frostigen Kulissen der Episode "Das Versprechen" und begrüßen dazu eine legendäre Gesprächspartnerin: Joanna Cassidy, die in der Episode die unvergesslich zähe und lebenspraktische Witwe Solvang spielte. Die Besprechung beginnt mit einer amüsanten Anekdote aus der Produktion, denn "The Three Amigos" (Originaltitel) ist eine der wenigen Folgen, in denen weder Morrow noch Turner vor der Kamera standen. "Du und ich, wir kommen darin nicht vor", erinnert sich Rob mit einem Lachen, "wofür ich unendlich dankbar war, weil wir so hart gearbeitet hatten. Ich bin ziemlich sicher, ich habe einen Skiurlaub gebucht, weil wir etwa zwei Wochen frei hatten." Turner ergänzt schmunzelnd, sie habe die Zeit genutzt, um einfach nur ihr Pferd zu reiten - in 18 Lagen Kleidung, weil es so kalt gewesen sei. Diese ungewöhnliche Abwesenheit der Hauptstars verlieh der Episode ihren einzigartigen, filmischen Charakter, der sich ganz auf das ungleiche Duo Holling und Maurice und ihre schicksalhafte Reise konzentrieren konnte.
Im Gespräch mit Joanna Cassidy wird schnell klar, unter welch extremen Bedingungen diese besonders abenteuerliche Folge gedreht wurde. Als Regiedebüt des bisherigen "Line Producers" (Herstellungsleiter) Matt Nodella war es ein gewagtes Unterfangen, das größtenteils an eisigen Original-Schauplätzen in der Wilderness stattfand. Cassidy berichtet mit einer Mischung aus Schaudern und Humor von den Herausforderungen, etwa dem Sprung auf ein etwa 20 Hände hohes Pferd: "Ich sagte zu Matt, ich sei mir nicht sicher, ob ich das noch einmal könne. Und er sagte nur: 'Dreh' die Kamera.'"
Die Kälte war allgegenwärtig und forderte ihren Tribut. "Wenn du draußen in der Wildnis drehst, musst du weit weg sein. Während die Einstellungen vorbereitet werden, frierst du. Es ist wirklich schwer, fokussiert zu bleiben", so Cassidy. Die Schauspieler hockten zwischen den Takes vor kleinen Heizlüftern - ein notdürftiger, aber unverzichtbarer Komfort. Ein besonderes Kopfschütteln löste im Gespräch der scheinbar immer monumentaler werdende Leichnam von Bills Planey aus. "Dieser Körper war riesig. Gigantisch", lacht Morrow, und man spekuliert amüsiert, ob es an Solvangs Kochkünsten oder natürlichen Prozessen gelegen haben könnte.
Cassidy spricht mit großer Wertschätzung über ihre Figur Solvang, die sie als realistische Überlebenskünstlerin fernab aller Klischees beschreibt. "Sie war eine Pionierfrau. Er ist tot, ich muss weiterziehen. Da steckt ein Sinn fürs Überleben drin", analysiert sie. Diese pragmatische, fast schonungslose Haltung spiegle den Geist echter Siedlerinnen wider, für die eine neue Partnerschaft oft eine Frage des Überlebens und nicht der Romantik war.
Die Moderatoren heben zugleich zwei künstlerische Säulen der Folge hervor: die geniale Verwendung von Jack Londons "Ruf der Wildnis", dessen Passagen, von Chris Stevens im warmen Studio vorgelesen, als philosophischer Kommentar zur physischen und moralischen Zerreißprobe der Protagonisten dienten, und die spektakuläre Stunt-Sequenz, in der der Sarg den Hang hinunterrutscht.
Janine erklärt den Filmtrick: "Die Schauspieler machen vielleicht die ersten zwei Meter, dann kommen die Stunt-Doubles – aber sie drehen den Kopf weg, damit man sie nicht erkennt." Sie fügt lachend hinzu: "Ich würde wirklich gerne sehen, wie sie ihn wieder hochgebracht haben."
Das Gespräch schweift auch zu Joanna Cassidys legendäre Rolle als 'Zhora' in "Blade Runner", wo sie die berühmte Anekdote teilt, wie sie 25 Jahre später ihre eigene, damals von einer Stuntwoman gedoubelte Glassprung-Szene neu drehen und in den "Final Cut" einfügen durfte. "Jedes Mal, wenn ich den Film sah, trieb es mich in den Wahnsinn. Ich konnte sehen, dass das Haar nicht gut war", gesteht sie.
Am Ende sind sich alle einig, dass "Das Versprechen" ein Meisterwerk ist, das existenzielle Fragen zu Freundschaft, Loyalität und Sterblichkeit in ein fesselndes Abenteuer verpackt. Der Podcast selbst wird zu einer warmherzigen Expedition in die Vergangenheit, angeführt von drei Menschen, deren gemeinsame Geschichte - ob vor oder hinter der Kamera - von einer tiefen Verbundenheit zeugt, die selbst drei Jahrzehnte und eisige Kälte überdauert hat. "Es ist wie 30 Jahre später. Wir sehen Menschen wieder, mit denen wir verbunden waren. Es ist eine der größten Freuden", bringt Janine Turner dieses besondere Gefühl der Wiederbegegnung auf den Punkt.
Ein kleines, aber bezeichnendes Produktionsdetail rundet die Episode ab: Während das Team diese Episode als Nummer 15 der dritten Staffel ansieht, herrscht anderswo Verwirrung. "Amazon Prime sagt, es ist Episode 16. Ich weiß nicht, wie die das rechnen", bemerkt Rob Morrow - eine letzte skurrile Note zu einer Folge, die sich stets eigenen Wegen verpflichtet fühlte.
Wer die Podcastfolge auf YouTube schaut, kann bei Bedarf die automatische deutsche Synchronisation aktivieren oder über Einstellungen (Zahnrad-Symbol) → Audiotrack auf den Originalton wechseln.
Musiktitel
It Won't Hurt - Dwight Yoakam
Grand River
The Whiskey Ain't Working
Acoustic Duet 1 Country Blues Guitar
Hands on the Wheel - Willie Nelson
Zitate
Chris (On Air): "Es gibt eine dünne Grenze zwischen dem Wilden und dem Zahmen. Zwischen Alaska und uns. Ich brauche hier meine Musik und meine Bücher. Aber egal wie urban wir Menschen auch werden, irgendwas in uns sehnt sich immer noch nach den unberührten Wäldern."
Chris: "Da ziehen sie hin, das letzte große Aufbäumen der Wildnis das wir Alaska nennen. Wir haben alle unser spezielles Verhältnis zum Wilden, dort draussen, oder hier drin in unserer Seele, in unserem Herzen. Wheely, West Virginia, 1983. Ich sitz' im Knast, Gefängnisbibliothek, und arbeite mich von Z aus rückwärts durch. Stendahl, Proust, ich bin bei L gelandet und, heureka, Jack London. Mein bester Freund Whitman schenkte mir die Poesie und London hat mich zu einem Ort in meinem innersten mitgenommen, von dem ich bis dahin nichts gewußt hatte, den ich aber augenblicklich wiedererkannte, als hätte ich mein ganzes verlorenes Leben lang dort hingestrebt. Da war Buck, ein riesengroßer zivilisierter Köter aus dem Süden der im frostigen Norden gelandet war, um sich als das neu zu definieren, was er wahrhaftig war. Ich war Buck, Buck war ich, Buck sind wir. Leute, es ist Zeit diese mysteriöse und erschreckende Vertrautheit wieder aufleben zu lassen. Wenn die alte, psychische Verbindung zwischen uns zum ersten Mal wieder hergestellt wird. Von morgen an: Teil 1 von ‘Der Ruf der Wildnis.‘"