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36. Wer schläft, sündigt nicht


36. Wer schläft, sündigt nicht

Maggie fliegt Joel nach Juneau, um auf der 6. Pädiatrie-Konferenz des Nord-West-Pazifik-Raums einen Diavortrag über die "Früherkennung von Mittelohrentzündungen beim alaskanischen Kind" zu halten. Außerdem hofft er auf einen Flirt mit einer Kinderärztin. Maggie verbindet den Flug, um sich Les Miserables anzusehen. Es gibt allerdings Probleme mit den Hotelreservierungen, so daß sich schließlich Maggie und Joel eine Hotelsuite teilen müssen. Beide sind über diese Situation nicht sonderlich erfreut und verbringen den Freitagabend getrennt. Während der konsternierte Joel vor der nymphomanen Linda Angelo die Flucht ergreift, wird die beschwipste Maggie von dem attraktiven Dr. Paul Brennan an der Bar aufgegabelt. Eine schlaflose (durchtanzte!) Nacht wartet auf die beiden. Joels Vortrag am Samstag wird ein Fiasko. Deprimiert und einsam bläst er Trübsal. Als Maggie ihn aufheitern will, beginnt es gewaltig zwischen ihnen zu knistern. Auf Champagner folgen leidenschaftliche Küsse, - doch Maggies Schlafentzug und der Alkohol verlangen ihren Tribut. Sie schläft ein, glaubt aber am nächsten Morgen mit Joel Sex gehabt zu haben. In Cicely untersucht Marilyn derweil Joels Patienten und stellt schreckliche Diagnosen. Chris hat Wortfindungsstörungen, er spricht nur noch in Halbsätzen. Sein "karmischer Doppelgänger" Bernard ist aus Afrika zurück und trägt einen Talisman, der Chris' Handicap erklärt...


3.21 It Happened In Juneau Originaltitel
Deutsche TV-Premiere: 06.10.1993 (RTL)
TV-Premiere: 04.05.1992 (CBS)


 

David Assael  Drehbuch
Michael Katleman  Regie


Northern Disclosure (Podcast)

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"Eine titillierende Folge" - mit diesem Wort eröffnet Janine Turner die neueste Runde von Northern Disclosure, und sie behält recht. Denn in "Wer schläft, sündigt nicht" (Originaltitel: "It Happened in Juneau") kommt es zu dem Moment, auf den Fans seit drei Staffeln gewartet haben: Joel und Maggie küssen sich. Endlich. Und dann? Nichts. Oder doch? Die Episode, geschrieben von David Assael (der laut Rob Morrow "eine philosophische Ader" hat) nach einer Vorlage von Robert Rabinowitz und inszeniert von Michael Katleman, ist ein wahres Feuerwerk an Beinahe-Momenten, Verwirrungen und ganz viel Gefühl. Für Rob Morrow ist sie
"Ausgerechnet Alaska auf allen Zylindern - jede Facette der Serie kommt hier zusammen".

Zu Gast ist ein alter Bekannter: Richard Cummings Jr. , der als Chris' Halbbruder Bernard eine der schönsten Nebenrollen der Serie verkörpert. Er ist zurückgekehrt aus Afrika, mit einem halben Talisman und der Gewissheit, dass er und Chris irgendwie aus dem Takt geraten sind. "Das war das erste Mal, dass Bernard überhaupt im Radio zu hören war", erinnert sich Richard. "Und wisst ihr was? Weil John Corbett und ich dadurch für Voiceovers entdeckt wurden, bekam auch ich meinen ersten Werbe-Spot." Die drei sind sich einig, dass die Episode von einer wunderbaren Leichtigkeit lebt - alle Schauspieler wirken "gelöst und sicher", wie Richard es nennt, und genau das ermögliche die tiefe Verletzlichkeit, die Maggie und Joel hier erstmals wirklich zeigen.

Joel fliegt nach Juneau, um einen langweiligen Vortrag über Mittelohrentzündungen zu halten - und vor allem, um endlich mal wieder eine Frau kennenzulernen. Maggie fliegt ihn, weil sie sich "Les Misérables" ansehen will. Doch das Hotel hat die Reservierungen verwechselt, und plötzlich teilen sich die beiden eine Suite. Rob lacht: "Joel will sich auf die Jagd nach Kinderärztinnen machen, und dann sitzt er mit Maggie da - das ist Comedy pur." Janine ergänzt: "Und ich spiele die ganze Zeit die Genervte, aber am Ende bin ich die, die sich betrinkt und dann nicht mehr weiß, ob was passiert ist." Die Szenen im Hotel wurden nicht am Set, sondern in einem echten Hotel am Puget Sound gedreht. "Das war eine willkommene Abwechslung", sagt Janine. "Plötzlich waren wir nicht mehr in Redmond oder Roslyn, sondern in einer richtigen Stadt. Das hat der Episode eine frische Energie gegeben."

Es knistert gewaltig zwischen den beiden. Ein gemeinsames Abendessen, Champagner, ein Kuss - und dann schläft Maggie ein. Als sie am nächsten Morgen aufwacht, ist sie sich nicht sicher, ob sie miteinander geschlafen haben. Joel lässt sie im Unklaren. Richard findet die Szene großartig: "Es war wie in einer klassischen Screwball-Comedy. Diese Verwirrung, dieses 'Hatten wir oder hatten wir nicht?' - das war so gut gespielt." Janine gesteht: "Ich fand es schrecklich, wie Maggie da rumzappelt und nicht weiß, was los ist. Aber genau das machte die Verletzlichkeit aus. Man sieht sie sonst nie so." Rob ergänzt: "Und ich fand fast Mitleid mit Joel, wie er da steht und ihr Spiel mitspielt. Am Ende sind beide Opfer ihrer eigenen Spiele." Ein kleines Detail fällt Rob beim erneuten Anschauen auf: "Am Ende, als wir wieder in Cicely sind, fahre ich mit dem Auto an ihr vorbei - aber ich fahre auf sie zu. Normalerweise würde man in die andere Richtung fahren. Das war Absicht, oder?"

Während Joel und Maggie in Juneau durcheinander geraten, sind Chris und Bernard in Cicely aus dem Takt. Chris verliert die Fähigkeit zu sprechen - zumindest in ganzen Sätzen. Bernard hingegen redet wie ein Wasserfall, aber sie teilen nicht mehr die gleichen Träume. "Früher haben wir immer synchron geträumt", erklärt Richard. "Jetzt träumt Chris von einem Baum und ich von einer halben Giraffe. Wir sind aus dem Rhythmus. Erst als ich ihm den anderen halben Talisman umlege, finden wir wieder zusammen." Janine ist fasziniert von der Metaphorik: "Diese Idee, dass ein Talisman die spirituelle Verbindung wiederherstellen kann - das ist so schön. Und die Szene im Radio, als sie wieder im Takt sind, mit den Füßen wippen, die Platte weiterreichen - das ist pure Magie." Rob lobt die Inszenierung: "Katleman zeigt das so subtil. Erst sieht man nur ihre Füße, dann ihre Hände - und plötzlich sind sie wieder eins." Richard ergänzt aus technischer Sicht: "Die Wortfindungsstörungen von Chris mussten im Schnitt perfekt getimt sein, sonst wäre der Witz verloren gegangen. Katleman hat das großartig gelöst."

Während Joel weg ist, übernimmt Marilyn seine Praxis - mit großem Ernst und noch größerer Wirkung. "Sie sagt einem Patienten, er rieche nach Ameisengift", lacht Janine. "Ich fand das so großartig. Ich habe immer gesagt: Als Joel geht, hätte man Marilyn zur Ärztin machen sollen. Nicht diesen Ersatz." Rob stimmt zu: "Sie war so präsent in dieser Folge. Fast ein bisschen zu ernst - aber vielleicht war sie auch einfach nur in einer schlechten Woche."

Richard erzählt von den Dreharbeiten mit John Corbett: "Wir mochten uns von Anfang an. Wir waren beide offen, neugierig, präsent. Und wir haben viel gelacht. Einmal trafen wir uns nachts mit ein paar Flugbegleiterinnen - und mussten am nächsten Morgen im Hotelaufzug den 'Walk of Shame' machen. Zum Glück hat uns niemand erkannt. Oder zumindest hat keiner was gesagt." Janine erinnert sich an ihre ersten Jahre in Hollywood: "Mit 17 wollten sie mich in sexy Negligés stecken. Maggie durfte endlich mal eine normale Frau sein - mit Parka, Gummistiefeln und einer steifen weißen Hotelrobe. Und wisst ihr was? Diese Robe war mein Feind. Nie wieder Weiß auf dem Bildschirm. Aber Richard hat recht: Sie symbolisiert vielleicht doch die Unschuld des Moments."

Rob weist auf zwei besondere Gastrollen hin: Beth Broderick als die aufdringliche Linda Angelo, die Joel im Hotel auflauert, und - ganz jung - James Marsters, der später als 'Spike' in Buffy berühmt wurde, als Hotelpage. "Das war sein erster Job, glaube ich", sagt Rob. "Und er war schon damals großartig." Janine schwärmt von der Szene am nächsten Morgen, als Maggie verkatert am Frühstückstisch sitzt und Joel sie fragt, wie die Nacht war. "Sie sagt: 'Fleischman, Sie sind ein Boxer.' Und dann nennt sie ihn 'Dr. Schweitzer'. Ich musste das googeln - Albert Schweitzer, der in Afrika den Friedensnobelpreis gewann. So klug, diese Serie."

Am Ende sind sich alle einig: "Wer schläft, sündigt nicht" ist eine der reifsten Folgen der Serie. Sie zeigt Maggie und Joel verwundbar, nah und doch getrennt. Sie zeigt Chris und Bernard, die lernen, dass Synchronität nicht selbstverständlich ist. Und sie zeigt, wie gut "
Ausgerechnet Alaska" darin war, große Themen in kleinen Geschichten zu verpacken. Richard fasst zusammen: "Wenn man als Ensemble so vielen Folgen gedreht hat, kennt man sich. Man vertraut sich. Und das sieht man. Diese Episode lebt von diesem Vertrauen." Janine verrät noch, dass sie gerade an ihrem eigenen Musical probt - und das Wort "titillating" darin vorkommt. Rob grinst: "Damit haben wir angefangen, damit hören wir auf."

 

Musiktitel

Siegfried and Isolde - Act I (Wagner)
I'm in the Mood for Love
Am I Blue?
The Girl From Ipanema
I Shot the Sheriff
Toy Cows in Africa Chance


Zitate

Chris: "'In den Träumen beginnt die Verantwortung' sprach der Dichter. So ist es vielleicht auch. Könnte es sein, dass wir unsere Träume zu leicht nehmen? Jene Bilder von unbekannten Orten. Könnten sie vielleicht in Wahrheit Engel im Flug sein? Unsere Seelen hoch droben. Wißt ihr, kürzlich gemachte Erfahrungen haben mich dazu gebracht, einen anderen Pfad durch das metaphysische Dickicht einzuschlagen. Und so unwahrscheinlich es auch klingt, in dieser rationalen Zeit kam ich auf der Seite jener heraus, die nicht anders konnten, als Vertrauen zu dem zu haben, was nicht so leicht erklärbar ist. Öffnet euch euren Träumen, Freunde! Umarmt jenes entfernte Ufer, denn schon bald ist die Reise von uns Sterblichen vorüber. 'Die Wolken verhangenen Türme, die großartigen Paläste, die erhabenen Tempel, der große Erdball selbst. All das wird sich in nichts auflösen. Und so wie dieses dürftige Schauspiel verblaßt, so laßt auch ihr nichts zurück. Wir sind aus dem Stoff aus dem die Träume gewirkt sind und unser kleines Leben ist umfangen vom Schlaf'" (The Tempest, Der Sturm, Shakespeare)




Shelly: "You think my brain‘s on tilt from ant bomb? What‘ll I do?"
Marilyn: "Don‘t leave food around."






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