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41. Nichts ist vollkommen


41. Nichts ist vollkommen

Maurice ist überschwenglich. Er hat eine wertvolle Standuhr ersteigert. Die Augsburger Spieluhr aus dem Jahre 1572 wird ihm von Rolf Hauser, einem völlig ausgeflippten, deutschen Uhrmachermeister, aufgebaut. Maurice ist zwar über die eigenartigen Kapriolen des jungen Experten befremdet, doch die 80.000-Dollar-Uhr erfüllt ihn voller Stolz; - jedenfalls bis er bemerkt, daß das Uhrwerk nicht mehr präzise läuft. Er zitiert Rolf herbei, doch als der machtlos auf den künstlerischen Wert der Antiquität hinweist, eskaliert die Situation. Maurice wird letztendlich klar, daß "die Zeit ihre eigene Tagesordnung hat". Ed freundet sich mit Rolf an. Chris hat versehentlich Rusty überfahren. Der Hund gehörte Amy Lochner, einer tierlieben Mathematikerin. Als Chris ihr die traurige Nachricht überbringen will, verlieben sich die beiden über transzendente Zahlen und nicht-euklidische Geometrie. Amys Haus gleicht einem Tierheim. Neben Katzen und Hunden hält sie einen Wellensittich namens Pete. Als Chris auch Pete tot in seinem Käfig auffindet, fürchtet er Amys Liebe zu verlieren. Er besorgt sich bei dem verrückten, farbenblinden Vogelliebhaber Lucky einen ähnlichen Ersatzvogel. Obwohl Amy den Schwindel um das "praktisch non-interaktiven" Haustier nicht durchschaut, fühlt sich Chris schäbig. Er gesteht ihr den Betrug. Amy vermutet hinter der Todesserie keinen Zufall, sondern ein Muster. Sie fordert einen algebraischen Ausgleich...


4.3 Nothing's Perfect Originaltitel
Deutsche TV-Premiere: 10.11.1993 (RTL)
TV-Premiere: 12.10.1992 (CBS)


 

Diane Frolov & Andrew Schneider  Drehbuch
Nick Marck  Regie

 

Northern Disclosure (Podcast)

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In dieser Ausgabe von "Northern Disclosure" sitzen Rob Morrow (Joel Fleischman) und Janine Turner (Maggie O'Connell) wieder einmal allein vor den Mikrofonen - und das ist diesmal fast schon Ironie des Schicksals. In der besprochenen Episode "Nichts ist vollkommen" sind die beiden Hauptdarsteller nämlich kaum zu sehen: Rob hatte während des Drehs fast völlig frei, und Janine taucht nur in einer einzigen Szene auf. Dass diese Folge dennoch zu den Fan-Favoriten gehört, schreiben beide dem brillanten Drehbuch von Diane Frolov und Andrew Schneider zu. 
"Ich vermisse uns", gesteht Janine im Podcast wehmütig, worauf Rob trocken ergänzt: "Wir waren halt der Pep und das Sizzle der Show." (Sinngemäß: "das Salz in der Suppe" oder "der Schwung und das Knistern" der Serie.) Doch auch ohne viel Bildschirmpräsenz gibt es für die beiden jede Menge zu bereden, denn sie plaudern sich herrlich unperfekt durch Philosophie, Mathematik und die Frage, ob Perfektion überhaupt erstrebenswert ist.

Die Episode selbst dreht sich um Maurice und seine 80.000 Dollar teure Augsburger Standuhr von 1572 sowie um Chris Stevens' tragikomische Begegnung mit der Tierwelt. Chris überfährt versehentlich den Hund von Amy Lochner, einer mathematikbesessenen Tierliebhaberin - und verliebt sich prompt in sie, während er im weiteren Verlauf auch noch ihren Wellensittich auf dem Gewissen hat. Die wertvolle Uhr wiederum wird von dem exzentrischen deutschen Uhrmachermeister Rolf Hauser geliefert, gespielt von Mark Pellegrino. Rob verrät hierzu ein interessantes Hintergrunddetail: Pellegrino spielte später auch in Robs Erfolgsserie "Numb3rs" mit - was perfekt passt, da es auch dort ständig um komplexe Zahlen ging. Janine sorgt für einen Lacher, als sie Pellegrino im Gespräch beinahe mit ihrem Ex-Verlobten Alec Baldwin verwechselt (mit dem sie einst einen Computerkurs an der UCLA besuchte, der sich als kryptischer Binär-Programmierkurs entpuppte). Der Uhrmacher, den Maurice wüst als "arischen Kohlkopf" beschimpft, weigert sich standhaft, das unpräzise Werk zu reparieren: "Es ist nicht die Präzision, es ist die Schönheit", belehrt er Maurice.

Diese Botschaft - "Perfektion ist langweilig" - wird zum roten Faden des Podcasts. Janine schwärmt von einer Linda-Ronstadt-Dokumentation, die genau diesen Satz prägte, und Rob ergänzt eine Anekdote über den Musiker Jeff Tweedy, der seine Saiten absichtlich "buzzern" lässt, um die Emotion über die Technik zu stellen. "Scheiß auf Perfektionismus", bringt es Rob auf den Punkt (und verhaspelt sich dabei prompt bei dem Wort, was beide köstlich finden). Philosophisch wird es, als sie über Amy Lochners Forschung an der Zahl Pi und die Fibonacci-Folge diskutieren. Rob, der in der Schule eine mathematische Katastrophe war, hält sich heute für einen "heimlichen Mathematiker", während Janine überzeugt ist: "Zahlen führen uns zu Gott." Die große Frage der Episode - ist das Schicksal vorherbestimmt oder machen wir es selbst? - lässt beide grübeln. Besonders Janine hadert mit der Prädestination: "Wenn alles feststeht, wozu dann beten?"

Privat wird es gewohnt unterhaltsam: Janine berichtet von ihrem Kampf mit dem Rasenmäher auf ihrem texanischen Anwesen und einer trächtigen Angus-Kuh, während Rob eine rührende Geschichte über seine Frau Devon erzählt, die im Straßenverkehr von einem Fremden mit den Worten "Du bist besser als das" beschämt wurde. Solche kleinen Momente der Gnade finden die beiden auch in der Begegnung an einer Tankstelle wieder, wo ein Unbekannter zu Janine sagte: "Gott liebt dich." Am Ende gleitet das Gespräch ins Metaphysische ab: Gibt es Paralleluniversen, in denen Joel und Maggie immer noch in Cicely leben? Rob erinnert sich, wie er Jahre später in Alaska in Joels alten Stiefeln herumlief und sich fühlte, als wäre er wieder Fleischman. Janine kennt das Gefühl, wenn sie mit der Kettensäge über ihre Ranch zieht und sich wie Maggie O'Connell fühlt.

Trotz aller Esoterik kommen Rob und Janine immer wieder auf das Handwerk und die tiefen Emotionen der Serie zurück. Janine war zu Tränen gerührt, als Maurice am Ende die Unvollkommenheit seiner Uhr akzeptierte, da dies für sie die Kernbotschaft der Show unterstreicht. Die Folge endet mit einem wunderbaren Wortspiel: "Es geht nicht um den Wurf selbst - es geht darum, wie du zu dem Wurf stehst" ("It’s not the fling itself, it’s how you feel about the fling").

Dieses Zitat stammt ursprünglich aus der wohl bekanntesten Folge überhaupt: "Obdachlos", in der Chris ein Klavier mit einem Katapult in den Abendhimmel schleudert. In "Nichts ist vollkommen" schließt sich nun der Kreis: Chris opfert sein geliebtes Motorrad, um das "Muster des Todes" zu brechen. Während er am Abgrund steht, zitiert er selbst diesen legendären Satz und damit auch seine eigene Philosophie. Es ist ein genialer Brückenschlag der Autoren, da das englische Wort "Fling" sowohl den "Wurf" des Klaviers als auch eine leidenschaftliche "Affäre" oder Beziehung (wie die von Chris zu seinem Bike) beschreiben kann. Ob Klavier oder Motorrad - es geht um das spirituelle Loslassen. Oder wie Janine es im Podcast passend zusammenfasst: "Einfach weitermachen, auch wenn es nicht perfekt ist."

Fazit: Eine wunderbar herzliche Podcast-Stunde über Uhren, Vogelmorde, göttliche Zahlen und die Kunst, den "Wurf" des Lebens zu akzeptieren.

 

 

Musiktitel

I Heard a Juke Box Playing - Kitty Wells
Wie stark ist nicht dein Zauber (aus "The Magic Flute") - Mozart
My Next Broken Heart - Brooks and Dunn
If the Walls Could Talk - Skew Siskin
Mean Greens - The Rock Box
Darn That Dream
Sonata in C minor (Scarlatti)
You Go to My Head - Chet Baker
Sonata in A Major (Mozart)
Inchworm - Danny Kaye







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