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43. Geld im Blut


43. Geld im Blut

Mike Monroe (der "Ballon-Mann") hat seine geodätische Kuppel in Cicely aufgebaut. Er bewohnt diesen komfortablen Ballon in selbst auferlegter Quarantäne. Der Ex-Anwalt leidet unter MCS (Multible Chemische Sensibilität); einer "Hyperallergie auf das 20. Jahrhundert", wie Joel spöttisch behauptet. Mike beschäftigt sich seit Jahren rund um die Uhr mit seinen Allergien und deren Ursachen. Synthetische Stoffe, Make-up, elektromagnetische Felder, Ausdünstungen, Pestizide oder gar ferne Umweltkatastrophen können schwerste anaphylaktische Schocks auslösen. Außerhalb der Kuppel kann er momentan nicht überleben. Da es keine medizinische Erklärung für MSC gibt, ist Joel überzeugt, daß Mikes Beschwerden psychosomatisch bedingt sind. Ihm ist Mike zwar nicht unsympathisch, aber er hält in für verrückt, für "erhaben wahnsinnig". Mike selbst empfindet sich als Kanarienvogel in der Kohlengrube. Maggie ist von Mike fasziniert, was Joel unterschwellig mißfällt. Er möchte, daß die "wandelnde Kontaminatin" vom Allergiker fern bleibt. Doch Maggie ist es, die Mikes ersten Spaziergang durch Cicely ermöglicht. Ruth-Annes Sohn Matthew ist gefeuert worden. Seine Tage des Plünderns und Raubens sind angeblich vorbei. Seiner Mutter zuliebe will er der Investmentbranche den Rücken kehren und ein Anglerzubehörladen in Cicely eröffnen. Maurice wittert indes das große Geschäft mit MCS-Kranken und führt Matthew mit seinem Projekt in Versuchung...


4.5 Blowing Bubble Originaltitel
Deutsche TV-Premiere: 01.12.1993 (RTL)
TV-Premiere: 02.11.1992 (CBS)


 

Mark Perry  Drehbuch
Rob Thompson  Regie

 

Northern Disclosure (Podcast)

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In Cicely herrscht helle Aufregung, denn ein "Kanarienvogel in der Kohlengrube" hat sein Exil in Alaska gefunden: Der ehemalige Anwalt Mike Monroe bezieht seine geodätische Kuppel am Rande der Stadt. Während Joel den Neuankömmling spöttisch als "erhaben wahnsinnig" abstempelt und seine Multiple Chemische Sensitivität (MCS) für rein psychosomatisch hält, ist Maggie von dem mysteriösen "Ballon-Mann" fasziniert. Es ist der Beginn eines seltenen Handlungsbogens über mehrere Folgen, der nicht nur frischen Wind in die Serie brachte, sondern laut Anthony Edwards auch als echtes "Setup" für eine tiefere Charakterentwicklung diente.

In der aktuellen Podcast-Folge von "Northern Disclosure" begrüßen Rob Morrow und Janine Turner den Mann in der Blase höchstpersönlich: Anthony Edwards. Die Stimmung ist herzlich, doch Edwards erinnert sich gut daran, dass er 1992 mitten in eine Phase von "Sturm und Drang" geraten war. Während er als Gaststar dazustieß, befand sich Rob Morrow bereits in seinen berüchtigten Vertragsverhandlungen mit CBS/Universal. Morrow bestätigt im Gespräch unumwunden, dass es damals "hitzige Momente" gab, in denen er massiv für die Integrität der Show und seinen eigenen Stellenwert kämpfte. Interessanterweise diente die Einführung von Mike Monroe den Produzenten durchaus als taktisches Manöver, um Joels Bildschirmpräsenz zu reduzieren und Maggie eine neue romantische Reibungsfläche zu bieten - eine Dynamik, die Joel in der Folge sichtlich mit unterschwelliger Eifersucht quittiert. 

Für Anthony Edwards war die Rolle des Mike Monroe ein absoluter Glücksfall und, wie er heute sagt, ein "Prolog zu E.R. (Emergency Room)". Edwards, der zum Zeitpunkt des Drehs bereits durch Filme wie "Top Gun", "Ich glaub’, ich steh’ im Wald" und die Kult-Komödie "Die Rache der Eierköpfe" bekannt war, berichtet voller Wärme: "Ich war völlig hin und weg. Ihr hattet eine eingeschworene Familie geschaffen, jeder wusste, was er tat. Es war so frei und voller Freude". Dass er später in seiner Karriere auch in David Finchers akribischem Polizeidrama "Zodiac - Die Spur des Killers" als Inspector Bill Armstrong überzeugte, passt perfekt zu seinem Talent für geerdete, professionelle Charaktere, das er schon in Cicely bewies.

Edwards spürte jedoch sofort, dass er 1992 in eine aufgeladene Atmosphäre geworfen wurde. Rob Morrow und Janine Turner geben offen zu, dass sie damals leidenschaftlich und "edgy" für die Integrität der Serie kämpften, was in Los Angeles nicht immer auf Gegenliebe stieß.  Die Hintergründe dieser Zeit sind für Fans besonders spannend: Rob Morrow forderte mehr Gehalt, da er anfangs mit etwa 12.500 $ pro Folge - später 21.200 $ - deutlich weniger verdiente als Stars vergleichbarer Serien. In dieser Zeit des Konflikts wurde Mike Monroe bewusst als "Foil" (Gegenpart) zu Joel etabliert, um die festgefahrene Dynamik aufzubrechen. Edwards beschreibt seine Rolle selbst als ein "Genie mit sozialen Defiziten" und damit als eine attraktive Alternative zum neurotischen Fleischman. Obwohl Edwards heute dankbar ist, hätte er die Rolle fast abgelehnt, da er dem Fernsehen mit der Einstellung "Scheiß aufs Fernsehen“ ("Fuck TV") skeptisch gegenüberstand. Doch die Qualität von "Ausgerechnet Alaska" änderte alles: "Northern Exposure war für mich ein Prolog zu E.R. All die technischen Dialoge, die ich als Mike Monroe lernen musste - das hat mich perfekt auf die 80-seitigen E.R.-Skripte vorbereitet". Ohne den "Bubble Man" hätten wir ihn also vielleicht nie als Dr. Mark Greene gesehen. Edwards lacht im Podcast über die Arbeitsbelastung bei E.R., etwa als er mit George Clooney die legendäre Live-Episode initiierte oder eine 24-seitige Einstellung ohne Schnitt drehte - woraufhin Janine nur staunend erwiderte, dass sie ihre 56-seitigen Skripte schon für viel hielt. 

Die Produktion der Folge selbst bot technische Herausforderungen: Die Kuppel stand auf der "Circle 8 Ranch", während die Innenaufnahmen dank Kameramann Frank Prinzi und seiner meisterhaften, diffusen Beleuchtung selbst auf der Soundstage in Redmond vollkommen natürlich wirkten. Ein echtes Highlight war der NASA-Anzug, den Mike am Ende trägt. Edwards erinnert sich lebhaft: "Das Ding war schwer und nicht an eine echte Lebenserhaltung angeschlossen. Ich musste verzweifelt versuchen, mein Visier nicht beschlagen zu lassen - beim Sprechen die Luft anhalten, damit meine Nahaufnahme nicht ruiniert wird". Sein frecher Spruch am Set dazu lautete: "Ich will mir doch nicht meine Nahaufnahme vernebeln".

Neben amüsanten Details, wie der verblüffenden Ähnlichkeit zwischen Edwards und dem Matthew-Darsteller Joe Polus, kommen auch sehr persönliche Momente zur Sprache. Edwards verbindet mit der Folge einen freudigen Anruf, den er während einer Waldszene mit John Corbett erhielt: Seine Frau war mit ihrem ersten Kind schwanger. "In diesem Moment war ich nicht nur Mike Monroe - ich war ein werdender Vater. Das hat meine Performance total beflügelt", erzählt er rückblickend.  Janine Turner erinnert sich derweil an die "sexy auf eine fremdartige Weise" wirkende Chemie zwischen Maggie und Mike, besonders in der Szene, als er ihr Parfüm erriet.

Rob Morrow ergänzt, dass es schön war, Maggie hier eine "sanftere Farbe" zeigen zu lassen, fernab der ständigen Schlagabtausche mit Joel. Zum Abschluss wird es nostalgisch, wenn von Skiunfällen und Janines geliebtem Hund Eclair die Rede ist, doch das Herzstück bleibt Anthony Edwards' Fazit: "Ihr habt etwas geschaffen, das zeitlos ist. Jede Folge war ein kleines Einakter-Meisterwerk. Ich bin so dankbar, ein Teil davon gewesen zu sein - und ohne euch hätte ich vielleicht nie E.R. gemacht".

Für die Fans bleibt die Erkenntnis, dass Joels Grantigkeit in dieser Episode eine reale Basis in den Gehaltsverhandlungen hatte, während Mike Monroe dank Edwards' Darstellung weit mehr als nur ein "Ersatz-Fleischman" wurde.

 

Musiktitel

On the Sunny Side of the Street - Lionel Hampton
Italian Concerto in F (Bach)
I Can't Give You Anything
But Love - Benny Goodman
Symphony No. 5 (Beethoven)
Quartet No. 68 (Haydn)
Partita No. 1 in B-Major (Bach)
Ghost City
Boot Scootin' Boogie - Brooks and Dunn
Sonata in B-Flat No 396 (Scarlatti)
On the Sunny Side of the Street - Lionel Hampton


Zitate

Maggie: "Aber Mike kann nie..."
Joel: "Was?"
Maggie: "Sie wissen schon..."
Joel: "Was?"
Maggie: "Er kann nie... Sie wissen schon... Leute berühren."
Joel: "Leute berühren?"
Maggie: "Ähh... ja... zum Beispiel eine Massage kriegen oder... irgend so was..."
Joel: "Eine Massage?"
Maggie: "Ja... zum Beispiel."
Joel: "Eine Massage!"
Maggie: "Vergessen Sie’s, Fleischman!"
Joel: "Geht es um Shiatsu, schwedische oder das übliche Tiefenstrukturverfahren?"
Maggie: "Ich weiß nicht, warum ich mich aufrege."
Joel: "Soll ich vielleicht unserem Elefantenmensch den Rüssel massieren?"
Maggie: "Sie sollen vergessen, Fleischman!"   





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