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44. Allein und ungebunden


44. Allein und ungebunden

Maurice fühlt sich verpflichtet, sein Testament zugunsten seines Sohns Duk Won zu ändern. Er wendet sich an Mike, der zunächst ablehnt, weil er sich den Ausdünstungen der vielen Papiere nicht gewachsen fühlt. Maggie bietet sich an, Mike bei dem Bürokram zu assistieren, damit er von dem "Sperrfeuer der schlechten Nachrichten" abgelenkt wird. Überhaupt ist Maggie wie verwandelt: sie kocht vegetarisch und backt Bananenbrot, trägt Kleider und regt sich über die Methan-Emission der Rindermast auf. Maggie begreift, daß sie sich in Mike verliebt - und flüchtet überstürzt. Mit dem Frühling kehrt auch Enrico Bellati mit den "Wahrnehmungsartisten" nach Cicely zurück. Eine wunderbare, pantomimische Show erwartet die Leute. Bob Wilson, der "fliegende Mann", läßt seinen gebrochenen Fuß verarzten. Gleichzeitig versucht Joel Bobs Sprachlosigkeit auf den Grund zu gehen, doch die Behinderung ist nicht zu erklären (Morbus sine causa corpora). Das weiß Marilyn jedoch bereits, denn der liebeskranke Bob gibt (nur für sie) seine Stummheit auf und hält erneut um ihre Hand an. Er fängt sich allerdings wieder einen Korb ein. Während Joel seinen neuen Golfschläger ausprobiert, leidet Ed unter einer "Regisseurblockade", - ihm fehlen die Ideen. Das ändert sich, als er in einem gebratenen Fisch einen Ring findet, in dem die Initialen von Federico Fellini eingraviert sind. Über den Bildern, die Ed von nun an mit der Kamera einfängt, schwebt der Geist von Fellini. Es entstehen feudale, symbolische Einstellungen. Doch es sind gestohlene Bilder; der mysteriöse Ring entwickelt allmählich eine beängstigende Eigendynamik...


4.5 On Your Own Originaltitel
Deutsche TV-Premiere: 08.12.1993 (RTL)
TV-Premiere: 09.11.1992 (CBS)


 

Sy Rosen & Christian Williams  Drehbuch
Joan Tewksburg  Regie

 

Northern Disclosure (Podcast)

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Nach einer kurzen, aber wohlverdienten Oster-Pause melden sich Janine Turner (Maggie O'Connell) und Rob Morrow (Joel Fleischman) gut gelaunt in ihrem Podcast "Northern Disclosure" zurück. Die kleine Unterbrechung begründen die beiden charmant mit anderen Verpflichtungen, betonen aber sofort, wie sehr sie es genießen, die alten Folgen nach über 30 Jahren wiederzuentdecken. Und dann ist die besprochene Episode auch noch ein echtes Juwel: "Allein und ungebunden".

Die Episode selbst ist ein Feuerwerk der Gefühle und Kuriositäten: Maggie verliebt sich Hals über Kopf in den "Bubble Man" Mike Monroe - und trägt dafür sogar Kleider, backt Bananenbrot und empört sich über die Methan-Emissionen von Rindern. Maurice kämpft mit seinem Gewissen und seinem Testament. Bill Irwin kehrt als der stumme Enrico Bellati zurück, der immer noch um Marilyns Gunst wirbt. Und Ed findet in einem Fisch einen Ring mit den Initialen "FF" - woraufhin er sich vom Geist Federico Fellinis besessen glaubt und plötzlich cineastische Meisterwerke mit seiner Kamera einfängt.

Auf dem Regiestuhl saß Joan Tewkesbury - laut Rob eine der ganz wenigen Regisseurinnen der Serie. Rob schwärmt von ihrer Arbeit, besonders weil sie zuvor Drehbücher für Robert Altman-Klassiker wie "Nashville" geschrieben hatte. "Sie hatte einfach ein unglaubliches Gespür für die feinen Zwischentöne", lobt Rob. Janine pflichtet bei: "Es ist quintessential 'Ausgerechnet Alaska' - genau das, was die Serie ausmacht." Besonders hebt Rob die Fellini-Flashbacks hervor: die Masken, die Kostüme, die bizarren Gestalten, die plötzlich durch Cicely geistern. "Die Arbeit der Haar- und Maskenbildner sowie das Casting dieser skurrilen Charaktere war erstklassig", sagt er. Dass Joel die seltsamen Performance-Künstler nicht einmal mehr hinterfragt, sondern nur noch genervt mit den Schultern zuckt, beweist für die beiden, wie sehr sich der gestresste New Yorker längst an die Absurditäten Alaskas gewöhnt hat.

Ein echtes Highlight für Theaterfans: Die stummen Darsteller, die in der Folge an den ungewöhnlichsten Orten auftauchen - als Slinky-Röhrenkostüm auf dem Golfrasen neben Joel, als riesige Hand, die Bill Irwin anschiebt, oder als "Klopapier-Mumie" - waren echte Mitglieder der legendären Schweizer Maskentheater-Truppe "Mummenschanz". Rob erinnert sich aufgeregt daran, die Gruppe als Kind am Broadway gesehen zu haben. Janine gibt zu: "Ich kannte 'Mummenschanz' gar nicht - aber jetzt bin ich begeistert." Die beiden stellen amüsiert fest, dass Joel die surrealen Gestalten inzwischen einfach hinnimmt - ohne eine einzige sarkastische Bemerkung.

Passend zu Eds Fellini-Träumen teilt Janine eine wunderbare Anekdote aus ihrer Karriere. Während der Dreharbeiten zu "Cliffhanger" (ihrem großen Hollywood-Actionfilm mit Sylvester Stallone) wurden die Innenaufnahmen in den berühmten Cinecittà-Studios in Rom gedreht. Janine war damals zwar sehr von Heimweh geplagt, aber auf den geschichtsträchtigen Studiobühnen traf sie den echten Federico Fellini persönlich. Was macht man in so einer Situation? Janine bat den Meisterregisseur, eine hölzerne "Apple Box" zu signieren - jene Holzkisten, auf die Schauspieler gestellt werden, wenn sie größer wirken sollen. Sie verpackte die Kiste sorgfältig für ihre Rückkehr nach Seattle. Doch dann das tragische Ende: Irgendwann wurde sie weggeworfen - vermutlich von jemandem, der sie für alten Sperrmüll hielt. Rob neckt sie sofort: "Du hast die Kiste doch bestimmt heimlich vom Set gemopst. Das Verschwinden ist jetzt die Quittung des Fellini-Karmas." Janine wehrt sich lachend: "Ich habe nicht geklaut. Ich habe gefragt!" Wo die Kiste heute ist, bleibt ein Rätsel - aber die Geschichte ist wunderbar absurd und passt perfekt zum Geist der Serie.

Als Stargast begrüßen Rob und Janine Vicki Davenport, die damalige "Locations Managerin" der Serie. Sie kam in der zweiten Hälfte der Serie dazu - nachdem sie das Angebot zunächst zweimal abgelehnt hatte. Vicki hat echtes Fandasein im Gepäck:
"Meine Mutter schläft jeden Abend mit 'Ausgerechnet Alaska' wie mit einem Schlaflied ein." In ihrem Büro hinter sich hat sie originale Set-Zeichnungen hängen und ein Bild des berühmten Katapults. Vicki teilt das goldene Credo, das ihr Produktionsdesigner Woody Crocker damals mit auf den Weg gab: "Denk weit und denk schön". Für Rob Morrow der absolute Beweis, dass die Serie die erste im Fernsehen war, in der die Landschaft als eigener Charakter behandelt wurde. Janine ergänzt: "Die Locations waren die Stars der Serie - echte Hauptdarsteller."

Für Fans von "Twin Peaks" hält das Gespräch eine besonders spannende Hintergrundinfo bereit: Da beide Kultserien zur gleichen Zeit in der Region gedreht wurden, herrschte am Set eine freundliche, kreative Konkurrenz. Die wunderschöne Picknick-Szene zwischen Maggie und Mike in dieser Episode wurde von Vicki ganz bewusst an einer Straße oberhalb genau jener Fluss-Location platziert, an der bei Twin Peaks die in Plastik eingewickelte Leiche von Laura Palmer angespült wurde. Vicki gesteht lachend: "Ich wollte mir diesen kleinen, augenzwinkernden Seitenhieb auf die düstere Konkurrenzserie nicht nehmen lassen." Dieselbe Straße führte übrigens auch zu dem Hügel, den die Fellini-Figuren in Eds Vision so filmreif überqueren.

Vicki berichtet von den bürokratischen Herausforderungen mit den Stadtoberhäuptern von Roslyn, Chief Mike und Mayor Denning, mit denen sie und ihr Kollege Dan Doucet Drehbücher abstimmen mussten. Eine Verhandlung mit einem unzufriedenen Einwohner lief so schief, dass dieser Dan Doucet kurzerhand auf die Ladefläche eines Pickups verfrachtete und ihn mitten in der Wildnis am weit entfernten French Cabin Creek aussetzte. Das Team musste eine richtige Rettungsaktion starten. "So macht man also Geschäfte in Roslyn", kommentiert Rob trocken.

Das Geheimnis um Mikes geodätische Kuppel wird gelüftet: Die "Bubble" wurde auf der Circle 8 Ranch errichtet. Das Produktionsteam stolperte dort über das Gelände einer Square-Dance-Gruppe, deren Überdachung perfekt als Wetterschutz für die Essenspausen der Crew diente. Während das Äußere der Kuppel in der Natur stand, wurden die Innenaufnahmen flexibel im Studio in Redmond gedreht. Für eine einzige Location mussten Vicki und die Abteilungsleiter teilweise viermal anreisen - vom Erstscout über die Besichtigungen mit Regisseur und Kameramann (dem legendären Frank Prinzi) bis hin zum großen "Tech-Scout" mit der gesamten Crew, um die enormen Trucks und Generatoren sicher in die Wälder zu navigieren.

Und dann ist da noch der "Sound Stroke"-Golfschläger, den Joel in einer Szene schwungvoll trainiert. Rob verrät: Das Gerät wurde von einem Zahnarzt aus Los Angeles erfunden - dem Zahnarzt von Serienschöpfer Josh Brand. Er ließ die Werbung für das Produkt einfach in die Folge einbauen. "Josh schien der letzte Mensch zu sein, der so etwas tun würde - aber da war es", lacht Rob.

Zum Ende der Episode schenkt Marilyn Joel bekanntlich eine Handvoll Steine. Rob und Janine diskutieren im Podcast ausführlich über die tiefere Bedeutung dieser Geste, die eng mit dem "fliegenden Mann" Bob Wilson verknüpft ist. Während Joel versucht, Bobs Stummheit rein wissenschaftlich zu ergründen und alles mit logischen Worten zu sezieren, versteht Marilyn diese schweigende Kunstform völlig blind.

Janine zitiert hierzu Marilyns wunderschöne, tiefgründige Zeile aus der Folge: "Worte sind eine schwere Sache... sie ziehen dich runter. Wenn Vögel sprechen könnten, könnten sie nicht fliegen."  Die Bedeutung der Steine geht hier jedoch noch einen Schritt tiefer und offenbart eine rührende Tragik: Aus purer Liebe zu Marilyn bricht der fliegende Mann letztlich sein eisernes Schweigen, um ihr einen Antrag zu machen - und verliert in genau diesem Moment prompt seine Fähigkeit zu fliegen. Die Worte holen ihn sprichwörtlich auf den Boden zurück und rauben ihm seine magische Kraft. Genau hier schließt sich der Kreis zu den Steinen am Ende: Worte haben ein Gewicht, das die Magie des Fliegens und der Kunst zerstören kann. Indem Marilyn Dr. Fleischman die Steine in die Hand drückt, gibt sie ihm diese "Schwere" der Worte physisch mit. Für Janine ist das ein zutiefst symbolisches Dankeschön aus der Natur, das dem verkopften New Yorker zeigt, dass die tiefste Kommunikation in Cicely ganz ohne schwere Worte auskommt. Eine wunderbare Erinnerung daran, dass in dieser Stadt oft die einfachsten und leisesten Gesten die größte Bedeutung haben. 


Musiktitel

Heartaches by the Numbers - Dwight Yoakam
Theme and Variations (Mozart)
Rue Pertisienne
Rue St. Michel
Stabat Mater
That's Amore - Dean Martin


Zitate

Marilyn zu Bob: "Words are a heavy thing ... they weigh you down. If birds talked, they couldn‘t fly."




Maurice: "That‘s Kim Chee. That‘s Korean cabbage. Smells like an old pair of gym shoes."




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