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50. Selbsterkenntnis


50. Selbsterkenntnis

Maurice kann es nicht fassen, als Ruth-Anne ihm die Hypothek auf ihren Laden überraschend zurückzahlt. Ruth-Anne fühlte sich von Maurice stets bevormundet, so daß sie die Geldübergabe mit Genugtuung abwickelt. Maurice hingegen macht es arg zu schaffen, daß er den Einfluß auf Ruth-Anne verloren hat. Er stellt sich gereizt vor, wie Ruth-Anne Woche für Woche ihre sauer ersparten Dollar in ein altes Mayonnaise-Glas stopft, nur um ihm eins auszuwischen. Als er versucht, Ruth-Anne einen neuen Kredit aufzuschwatzen, eskaliert die Situation. Ed, der ja für beide arbeitet, gerät mitten in den Konflikt, was ihn sehr bedrückt. Letztendlich versucht er mittels eines Videobands und Fruchtpunsch die Fehde zu schlichten. Derweil hält Chris Exerzitien in einem Kloster. Der "Sprachjunkie" kommt mit dem Schweigegelübde von Bruder Simon nicht klar. Dessen "Zurückgezogen-von-der-Welt-Ding" erregt Chris geradezu. Er wacht nach homoerotischen Träumen schweißgebadet und verstört auf, - doch für die befremdliche Leidenschaft gibt es eine Erklärung. Joel ist fix und fertig. Seit zwei Wochen bleibt sein Wartezimmer leer. Er fühlt sich nutzlos. Die Untätigkeit macht ihn nervös und er versucht Passanten in seine Praxis zu locken. Bernard durchschaut Joel, simuliert aber schließlich unklare Herzbeschwerden...


4.12 Revelations Originaltitel
Deutsche TV-Premiere: 06.04.1995 (VOX)
TV-Premiere: 11.01.1993 (CBS)


 

Diane Frolov & Andrew Schneider  Drehbuch
Daniel Attias  Regie


 

Northern Disclosure (Podcast)

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In der mittlerweile 50. Folge des offiziellen Podcasts "Northern Disclosure" begrüßen Rob Morrow (Dr. Joel Fleischman) und Janine Turner (Maggie O'Connell) einen ganz besonderen Gast: Regisseur Daniel Attias.
Gemeinsam beleuchten sie die zwölfte Episode der vierten Staffel, die im Original "Revelations" heißt und im Deutschen den passenden Titel "Selbsterkenntnis" trägt. Geschrieben wurde dieses vielschichtige Meisterwerk von Diane Frolov und Andrew Schneider.
Für Dan Attias - der später an Hochkarätern wie "The Sopranos", "Homeland" oder "The Marvelous Mrs. Maisel" arbeitete - war es die allererste von insgesamt fünf Regiearbeiten für "Ausgerechnet Alaska".

Da Janine Turner in dieser Folge eine seltene Drehpause einlegte und sich privat erholen konnte, konzentriert sich das Podcast-Gespräch voll und ganz auf die tiefgründige, philosophische Struktur der drei parallel laufenden Handlungsstränge.
Es ist eine Episode, die sich wie ein rotes Band dem Thema Kontrollverlust und der Illusion, Herr des eigenen Schicksals zu sein, widmet.

Dr. Fleischman hat seit zwei Wochen keinen einzigen Patienten. Aus Langeweile und existentieller Angst versucht er verzweifelt, Passanten in seine Praxis zu locken. Schließlich simuliert Chris' Halbbruder Bernard (Richard Cummings) aus purem Mitleid unklare Herzbeschwerden, nur damit Joel endlich wieder jemanden zu untersuchen hat und sich gebraucht fühlt. Sein persönlicher Tiefpunkt ist eine Wette mit Marilyn Whirlwind (Elaine Miles): Er soll fünf Minuten still sitzen und meditieren - ein Unterfangen, das kläglich scheitert und ihm seine eigene, schmerzhafte Rastlosigkeit vor Augen führt. Bernard liefert dazu die zen-artige Erkenntnis, dass Fleischman im Grunde "ein Niemand" ist - nur um ihm am Ende mit der vorgetäuschten Krankheit seine geliebte Identität als Arzt zurückzugeben.

Ruth-Anne zahlt dem entsetzten Maurice ihre Hypothek zurück und löst sich damit aus seiner finanziellen Abhängigkeit. Maurice kann diesen Kontrollverlust nicht verkraften und beginnt sofort, Intrigen zu spinnen, um Ed (Darren E. Burrows) auf seine Seite zu ziehen. Die schauspielerische Intensität und Wut zwischen den beiden wurde ganz bewusst so scharf gezeichnet, um das emotionale Gewicht der Fehde spürbar zu machen. Der arme Ed wird zum Spielball der verfeindeten "Eltern" und versucht schließlich, sie mit einem selbstgedrehten Video und einem Krug Fruchtpunsch zu versöhnen.

Chris Stevens zieht sich in ein Kloster zurück, um seinen spirituellen Mittelpunkt zu finden. Doch statt Erleuchtung plagen ihn unerwartete Träume und eine intensive Anziehung zu einem der Mönche. Er hadert mit seiner Sexualität, bis sich am Ende herausstellt, dass es sich bei Bruder Simon um eine Frau handelt, die ihr Geschlecht hinter der Kutte verbirgt. Die Offenbarung befreit ihn von seiner Qual und lehrt ihn, dass wahre Spiritualität im Annehmen liegt.

Dan Attias erweist sich im Gespräch als hervorragender Erzähler und gibt faszinierende Einblicke in die Psychologie der Figuren und die Herausforderungen am Set. Als praktizierender Meditierender erklärt Attias, warum die berühmte Szene zwischen Joel und Marilyn für ihn den Kern der Episode trifft: "Die große Lüge ist, dass wir unserem kleinen Selbst vertrauen, dass wir die Herren unseres Lebens sind. Meditation zeigt uns, dass wir das nicht sind - wir kontrollieren unsere Gedanken nicht."  Interessanterweise gesteht Rob Morrow, dass er sich damals zunächst gegen diese Szene gewehrt hatte. Ihm erschien das meditative Stillsitzen für fünf Minuten schlichtweg zu einfach. Rückblickend gibt er jedoch zu, wie perfekt die Sequenz funktioniert. Janine Turner fügt hinzu, dass genau dieser zähe Kampf gegen die innere Unruhe die wahre Essenz der Meditation ausmacht. Laut Attias zeigt die Geschichte, wie schwer es dem Menschen fällt, sich der Wahrheit zu stellen, wenn sie den eigenen Plänen im Weg steht. Marilyn fungiert hier als unerschütterliche Buddha-Figur, an der Fleischmans Ego abprallt.

Für echte Überraschung sorgt eine exklusive Hintergrund-Anekdote über die Chris-Storyline im Kloster. Dan Attias enthüllt, dass die finale Enthüllungsszene komplett nachgedreht werden musste! Ursprünglich hatte er eine ganz andere Darstellerin besetzt: "Ich dachte, die Offenbarung sollte eine Göttin sein, das ewige Weibliche. Josh [Brand] aber wollte eine ganz normale, bodenständige Frau. Rückblickend hatte er recht. Die Botschaft ist stärker, wenn es keine überirdische Schönheit ist, sondern eine reale Frau." Showrunner Joshua Brand sah die ersten Muster und ordnete den Re-Shoot mit Elizabeth Juviler an, um das klassische TV-Klischee der makellosen Hollywood-Schönheit bewusst zu brechen. Im Podcast diskutieren Rob und Janine leidenschaftlich darüber, ob John Corbett dadurch nicht die Chance genommen wurde, direkt auf die neue Schauspielerin zu reagieren. Attias beruhigt jedoch: Da die Szene so geschickt aufgelöst und geschnitten ist, dass John Corbett und die Darstellerin für die Enthüllung nicht zwingend im selben Bild sein mussten, war der Nachdreh in Seattle produktionstechnisch ein Leichtes.

Ein absolutes Lieblingsdetail von Regisseur Attias ist eine kleine, aber feine Nuance in Eds Schlichtungsvideo. Als Ed die Botschaft für Maurice und Ruth-Anne einspielt, schaut er direkt in die Linse, bewegt dabei aber den Kopf hin und her, um die beiden abwechselnd direkt anzusprechen - so als wüsste er im Vorfeld ganz genau, wer später auf welcher Seite des Sofas sitzt. Dieses charmante, leicht absurde Detail entstand durch einen simplen Trick beim Drehen, unterstreicht aber perfekt die surreale und herzerwärmende Magie der Serie.

Diese Podcast-Folge ist ein echter Meisterkurs in Sachen Serienverständnis und Regiehandwerk. Neben dem wunderbaren Gastauftritt des jungen Stephen Root als Bruder Tim zeigt das Interview vor allem, wie viel emotionale Tiefe in der finalen Sequenz der Episode steckt, die vielen Fans möglicherweise gar nicht mehr so präsent ist.

Regisseur Dan Attias kreierte hier ein meisterhaftes, fast wortloses Finale, das als Hommage an das weibliche Prinzip konzipiert ist: Nach seiner Rückkehr aus dem Kloster widmet Chris (John Corbett) seine gesamte Radiosendung den Frauen. Während im Hintergrund eine sanfte Piano-Version von Bob Dylans "Just Like a Woman" läuft und Chris am Mikrofon philosophiert, zeigt die Kamera in einer ruhigen Montage die Frauen von Cicely in ihrem Alltag. Man sieht Marilyn, die völlig in sich selbst ruhend vor der Praxis strickt, und Ruth-Anne, die nach dem gewonnenen Machtkampf sichtlich glücklich und befreit in ihrem Laden steht. Auch Shelly und Maggie werden in diesen friedlichen, fast magischen Momenten gezeigt. Diese ruhigen Aufnahmen bilden den perfekten, erdenden Kontrast zu den permanent gestressten, kontrollsüchtigen Männern der Folge (wie Joel oder Maurice) und geben der Episode ihren runden, tiefen Abschluss. Daniel Attias schafft es, diese ganz besondere Magie von 
"Ausgerechnet Alaska" perfekt einzufangen - ein absolutes Muss für alle Fans!

 

Musiktitel

Moonlight Serenade - Glen Miller
Bird on a Wire
- Judy Collins
Cowboy Beat - Bellamy Brothers
Just Like a Woman (Bob Dylan) - Piano Instrumental Version


Zitate

Chris: "Hey folks, I've just come back from a short cruise on the river of spiritual renewal. You might be wondering, were my goals met? Did I have that transcendent moment, the epiphany? You bet I did. You know, we men are always booking out. We join armies, baseball teams, frat houses--in my case, a monastery--all to the exclusion of our fair sisters. But let me tell you, in that segregated, celibate world of men, a divine hand reached down, grabbed me by the belt strap and gave a hard yank. To whom did this awesome hand belong? Woman. Yes, Cicely, my metaphysical moment, my revelation, was this: for me, there can be no spirituality, no sanctity, no truth without the female sex. O woman! lovely woman! Nature made thee To temper man: we had been brutes without you. Angels are painted fair, to look like you: There's in you all that we believe of heaven,-- Amazing brightness, purity, and truth, Eternal joy, and everlasting love."




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