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48. Späte Rache


48. Späte Rache

Die Vergangenheit holt Chris ein. Officer Semanski verhaftet ihn, wegen eines Verstoß gegen seine Bewährungsauflagen. Er hat vor Jahren West Virginia verlassen, ohne sich bei seinem Bewährungshelfer abzumelden. Nun blüht ihm eine mehrjährige Haftstrafe. Maurice fürchtet um seinen beliebten Diskjockey und besticht Mike mit einer neuen Luftfilteranlage, damit er Chris' Verteidigung übernimmt. Der Angeklagte steht der resoluten Richterin Elisabeth Percy gegenüber. Mike baut seine Verteidigung auf Chris' Identität auf; er ist der Meinung, daß der kriminelle Chris nicht identisch mit dem geläuterten Chris ist. Im Laufe der Verhandlungen werden zahlreiche Cicelianer in den Zeugenstand gerufen und versuchen mehr oder weniger erfolgreich, Chris den Kragen zu retten. Joel medizinisches Gutachten über mögliche Persönlichkeitsveränderung, ufert in ein philosophisches Wortgefecht über Dualisten und Materialisten aus. Der sieht seiner Zukunft erstaunlich gelassen entgegen: "Wer spielt, muß zahlen!" Letztendlich steht zwar fest, daß Chris eigentlich nach West Virginia überstellt werden müßte, wenn der "Verlust dieses Individuums nicht eine unzumutbare Härte für Cicely darstellen würde". Das Urteil lautet: Cicely hat drei Jahre Zeit, um sich um adäquaten Ersatz zu bemühen. Danach muß Chris sich den Behörden fügen. Und mit einem Seitenhieb in Richtung Officer Semanski ergänzt Richterin Percy: "...sollten sich diese melden."


4.10 Crime and Punishment Originaltitel
Deutsche TV-Premiere: 23.03.1995 (VOX)
TV-Premiere: 14.12.1992 (CBS)


 

Jeff Melvoin  Drehbuch
Rob Thompson  Regie

 

Northern Disclosure (Podcast)

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In dieser Ausgabe des "Northern Disclosure"-Podcasts nehmen uns Rob Morrow (Dr. Joel Fleischman) und Janine Turner (Maggie O'Connell) mit in die tiefen philosophischen und juristischen Gewässer der zehnten Episode der vierten Staffel, die im Original den passenden Titel "Crime and Punishment" trägt. Für Janine ein absolutes Highlight - nicht nur, weil Dostojewskis gleichnamiges Meisterwerk (
"Schuld und Sühne") ihr absolutes Lieblingsbuch ist, sondern weil das Finale der Folge mit einem Zitat von Robert Frost aufwartet, einem ihrer absoluten Lieblingspoeten.

Janine gerät regelrecht ins Schwärmen über das ur-amerikanische Flair dieser Episode: Das Setting mit der reisenden Bezirksrichterin erinnert sie an die Pionierzeit und die Anfänge des US-Supreme-Courts, als die Richter noch auf Pferden von Kolonie zu Kolonie reiten mussten. 
Geschrieben wurde dieses vielschichtige Stück Seriengold vom großartigen Jeff Melvoin, und die Regie führte Rob Thompson. Amüsiertes Detail am Rande: Rob Morrow verrät, dass Jeff Melvoins Sohn heute als Stadtrat in Kalifornien politisch aktiv ist und er erst in der Woche der Podcast-Aufnahme seine Stimme für ihn abgegeben hat.

Die Episode glänzt durch ihren Fokus auf eine einzige, dafür aber extrem tiefgründige Handlung rund um Chris Stevens und die Frage: Kann ein Mensch sich so radikal verändern, dass er juristisch nicht mehr mit seinem früheren Ich identisch ist? Die philosophische Debatte über "Nature vs. Nurture" (angeborene Veranlagung vs. Umwelteinfluss) im Stile von John Locke fasziniert beide Gastgeber bis heute. 
Mikes brillante Verteidigungsstrategie, die auf dem Wandel der Persönlichkeit aufbaut, findet bei den beiden großen Anklang. Janine erinnert sich lebhaft an ihren eigenen Drehbuchextrakt vor dem Gericht, bei dem die Kamera so wunderbar emotional an sie heranfuhr, während sie eine Lanze für Chris brach.  

Besonders tief beeindruckt zeigten sich Rob und Janine von einer ganz bestimmten Szene: dem unerwarteten und intensiven Gespräch zwischen Maurice und Chris' Halbbruder Bernard über Rassismus und Vorurteile. Janine lobt überschwänglich, wie unvoreingenommen und frei von Vorwürfen "Ausgerechnet Alaska" solche schweren Themen meistert. Die Charaktere begegnen sich mit Vernunft, hören einander zu und diskutieren auf Augenhöhe, ohne dass die Serie mit dem erhobenen Zeigefinger moralisiert. Voller Wehmut merkt Janine an, dass dieses hohe, respektvolle Diskussionsniveau genau das ist, was sie sich auch heute für unsere moderne Gesellschaft und das ganze Land zurückwünschen würde. 

Als Stargast begrüßen die beiden diesmal einen Mann, der sprichwörtlich als Erster kam und als Letzter ging: Ken Berg, den langjährigen Art Director (Szenenbildner) der Serie. Zusammen mit dem legendären und leider vor einigen Jahren verstorbenen Production Designer Woody Crocker bildete er das kreative Herzstück des Bauteams. Ken enthüllt, dass er nach dem Ende von 
"Ausgerechnet Alaska" im Jahr 2006 nach Kapstadt (Südafrika) auswanderte, dort eine Kulissenwerkstatt eröffnete und an Hollywood-Blockbustern wie "Lord Of War" (mit Nicolas Cage) oder "10,000 BC" arbeitete, bevor es ihn zurück nach Oregon zog. 
Für die Kulissenbauer war "Späte Rache" eine seltene, ruhige Folge, die ihnen Zeit gab, für die kommenden Mammutprojekte vorzuarbeiten. Denn das nur achtköpfige Team aus Zimmermännern und Tischlern vollbrachte sonst wahre Wunder! So mussten sie das berühmte geodätische Gewächshaus-Heim von Mike Monroe (Anthony Edwards) gleich zweimal bauen - einmal als Außenkulisse und einmal als Studio-Set auf der "Swing Stage" direkt neben Joels Büro. 

Ken packt im Podcast einige der besten und skurrilsten Behind-the-Scenes-Anekdoten der gesamten Serie aus: 

Der Trebuchet-Albtraum: Die Inspiration für die gigantische Katapult-Schleuder (für die Folge "Obdachlos") stammte tatsächlich aus einem Artikel im Wall Street Journal. Darin ging es um einen exzentrischen Mann in England (Hew Kennedy), der auf seinem Anwesen eine mittelalterliches Trebuchet nachgebaut hatte, um zum reinen Vergnügen Klaviere und Autos durch die Gegend zu schleudern. Das Produktionsteam fand diese Idee so perfekt für das Lebensgefühl in Cicely, dass sie prompt Kontakt zu dem Briten aufnahmen. Dieser reiste für ein extrem kurzes Treffen an das Set nach Washington, hinterließ der Crew nach knapp einer Stunde ein paar handgezeichnete, krakelige Skizzen auf einem Zettel und verschwand direkt wieder nach Kanada, um seine Schwester zu besuchen. Das mörderische Ding baute die Crew daraufhin zusammen mit lokalen Schweißern und Holzfällern völlig freihand. Zum echten Albtraum wurde das Katapult aber erst in einer späteren Folge ("Eine Leiche per Post"), als der Sarg von Chris' totem Freund Tully ins Wasser geschleudert werden sollte. Jemand hatte die glorreiche Idee, den Sarg mit Schaumstoff zu füllen, damit er besser treibt. Beim Aufprall barst jedoch das Holz und die unglückliche Crew musste drei Tage lang mit Booten und Keschern den Fluss von den schädlichen Schaumstoffresten befreien! 

Die Mammut-Rutsche: Als in der Episode "Mit den Augen der Liebe" das im Eis eingefrorene Wollhaarmammut im Flussbett entdeckt werden sollte, war es in Roslyn untypisch heiß und es lag kein Krümel Schnee. Die Crew musste tonnenweise echten Schnee mit Trucks von den Bergen herbeikarren. Damit er auf dem Weg in die tiefe Schlucht nicht wegschmilzt, halbierten sie kurzerhand runde Pappschalungen für Betonpfeiler und bauten eine improvisierte Highspeed-Schneerutsche in die Schlucht hinab. 

Der Fast-Unfall von Peg Phillips: Bei einem verheerenden Sturm in Redmond knallten reihenweise die riesigen, instabilen Kiefern um. Ken bemerkte, dass eine der Riesenkiefern genau auf das Auto von Peg Phillips (Ruth-Anne) zu stürzen drohte. Er rannte rein, holte die Schlüssel und parkte den Wagen um - keine zehn Minuten später schlug der Baum exakt dort ein, wo Ruth-Annes Auto kurz zuvor gestanden hatte. 

Zum Abschluss zeigt Ken den beiden sichtlich gerührten Stars eine echte Rarität: Einen dicken, analogen Ordner, in dem noch alle Original-Baupläne und Skizzen sämtlicher Sets aus allen 110 Folgen akribisch abgeheftet sind - in Zeiten vor dem Computer-Rendering ein unschätzbarer Kunstschatz, den Janine am liebsten sofort als Buch veröffentlichen würde. Rob wiederum erinnert sich gern an die liebevollen jährlichen Crew-Geschenke, wie den exklusiven Serienschal von 1991 mit der Aufschrift "No X". Ein wunderbarer Rückblick auf eine Serie, die damals für unglaublich wenig Geld und mit purem handwerklichen Herzblut produziert wurde.  

 

Musiktitel

Born to Lose
Rock My Baby - Shenandoah
Nocturne No. 2 (Chopin)
Whiskey If She Were a Woman - Highway 101
Brandenburg Concerto - Allegro Movement (Bach)
If I Could Bottle This Up - Paul Overstreet
Under a Stormy Sky - Daniel Lanois
Won't You Let Me Go? - Buckwheat Zydeco


Zitate

Richterin Elisabeth Percy: "He flung your piano instead of a cow?"




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